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Bild: Christine Ax
13. Juli 2015  /// Gesellschaft

Quautschen macht Mode

Im Wohnzimmer stapeln sich Kleider, Bücher und Gebrauchsgegenstände, nebenan wird geplaudert: Christina Schröder hat eine private Tauschbörse ins Leben gerufen. Seit einem Jahr treffen sich regelmäßig Freunde und Bekannte in der Wohnung der Wienerin und bringen Dinge mit, die sie nicht mehr brauchen. Aus der Kombination von Tauschen und Quatschen wurde „Quautschen“: „Das Schöne daran ist, dass ein anderer sich über etwas freut, das ich sowieso nicht mehr brauche“, zeigt sich Schröder von ihrer Idee begeistert. Und nicht nur sie: Monatlich trifft sich eine wachsende Gruppe von Menschen in Schröders Wohnung, um mit Hingabe zu tauschen. Nicht nur Kleider, sondern auch Kaffeemaschinen oder Blumenbewässerungssysteme wechseln hier den Besitzer. „Es geht nicht um den materiellen Wert der Dinge, sondern eher um den emotionalen“, erklärt Schröder. „Indem ich mir überlege, was ich wirklich brauche, wird mir auch der Wert bewusster.“ Das Ziel: das Überdenken der eigenen Bedürfnisse. Hier kommt Schröders beruflicher Hintergrund als Pressesprecherin der Entwicklungsorganisation Südwind ins Spiel: „Ich beschäftige mich bei meiner Arbeit viel mit ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, vor allem in der Bekleidungsbranche, und möchte dem etwas entgegensetzen“, erläutert Schröder ihre Beweggründe. „Der Irrsinn ist: Wir kaufen ein T-Shirt um fünf Euro, um es dann einmal anzuziehen. Diese Fast Fashion und Schnäppchen-Mentalität kann auf Dauer niemanden befriedigen.“ Nicht nur materielle Dinge finden beim Quautschen neue Besitzer, auch Dienstleistungen werden angeboten: Auf einer Pinnwand gibt es eine „Suche“ und eine „Biete“-Rubrik. Hier werden beispielsweise Mitfahrgelegenheiten gegen Massagen getauscht.

Den Abschluss des „Quautschens“ bildet die sogenannte „Anpreisrunde“: Alle Teilnehmer versuchen noch einmal unter Aufbietung ihres verkäuferischen Talents, die mitgebrachten Sachen an die Frau zu bringen. Denn beim Quautschen sind nur weibliche Teilnehmer erwünscht. „Beim Anprobieren der Kleider sind wir lieber unter uns“, erklärt Schröder lachend.

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