5. August 2015  /// Bewegung Gesellschaft

Das Schlachten trächtiger Kühe soll endlich verboten werden

Hannover, 14. Juli 2015. Das grausame Schlachten von jährlich mindestens 180.000 trächtigen Kühen und das Ersticken Tausender Kälber im Mutterleib muss nach den Worten von Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer „sofort gestoppt werden“. Hintergrund ist eine seit 2012 geführte Debatte um eine Praxis, die dazu führt, dass ungeborene Kälbchen nach der Betäubung der trächtigen Kuh qualvoll ersticken, dann aus dem Leib herausgeschnitten und entsorgt werden. Eine Betäubung der Föten ist aus Verbraucherschutzgründen nicht zulässig. Erstaunlicherweise gelten Tierschutzvorschriften nicht für ungeborenes Leben.

Der Transport trächtiger Kühe ist nicht zulässig

Da aber auch keine Kontrollen stattfinden oder Vergehen nicht geahndet werden, kommt es nach wie vor dazu, dass zwischen 5 und 10 Prozent aller Kühe dennoch trächtig angeliefert werden. 2012 sorgten die Grünen im Bundestag mit einer Anfrage erstmals dafür, dass diese Tatsachen auf die Agenda kamen. PETA kämpft bereits seit längerem gegen diesen Skandal und sammelt Unterschriften.

Meyer wirft dem Bund bei dem Thema große Versäumnisse vor. „Wenn Bundesagrarminister Christian Schmidt nun plötzlich ankündigt, handeln zu wollen, verdreht er die Tatsachen“, sagte Meyer. „Er hätte das nämlich schon längst tun müssen. Die grausame Praxis muss unterbunden werden.“ Er erinnerte daran, dass auf der Agrarministerkonferenz vom September 2014 in Potsdam sich neben Niedersachsen noch zehn andere Bundesländer einhellig dafür ausgesprochen haben, das Schlachten sogenannter gravider Rinder zu verbieten, weil dies Tierqualen nach sich zieht, die absolut inakzeptabel sind. „Herr Schmidt“ so Meyer weiter, „hat sich ein Jahr lang nicht gerührt. Ein solches Spiel auf Zeit ist nicht hinnehmbar“, und er forderte „endlich entsprechende Regelungen einzuführen, damit die Schmerzen und das Leiden auch von Föten und ungeborenen Kälbern ein Ende haben.“ Es reiche nicht, auf Brüssel zu verweisen. Hier sei die Bundesregierung selbst in der Pflicht und könne die Verantwortung nicht einfach wegschieben.

Der Agrarminister nannte es „unerträglich, dass in Deutschland – wie von der Bundestierärztekammer geschätzt – jedes Jahr bis zu 180.000 trächtige Kühe geschlachtet werden“. Meyer: „Wir brauchen ein Abgabeverbot trächtiger Rinder. Wir brauchen eine Ausweitung des bestehenden Transportverbotes für trächtige Tiere über das letzte Zehntel der Trächtigkeit hinaus. Und wir brauchen striktere Kontrollen, die eine Anlieferung trächtiger Rinder beim Schlachthof verhindern. Die Kosten dafür muss uns der Tierschutz wert sein.“ Meyer sagte, er sei sich mit dem Landvolk darin einig, „dass hochtragende Tiere auf einem Schlachthof nichts zu suchen haben.“

PETA verweist zu Recht darauf, dass jedes Jahr Milliarden von Euro in die Bewerbung von Tierprodukten fließen. Mit Gütesiegeln, Imagekampagnen und Abbildungen idyllischer Landschaften auf Verpackungen geben sich Tierindustrie und Bauernverbände größte Mühe, dem Verbraucher eine heile Welt zu suggerieren. Der qualvolle Erstickungstod ungeborener Kälber und die Gründe, die dazu führen, passen nicht in dieses Konzept. Experten weisen darauf hin, dass ein Schwangerschaftstest vor dem Transport zu den Schlachthöfen fünf Euro kosten würde.

N21 hat eine Recherche zur Lage in Österreich gestartet. Dem obersten Veterinär und den Mitgliedern des Tierschutzrates liegt eine Anfrage vor. Wir werden in Kürze darüber berichten.

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