21. Juli 2015  /// Allgemein Bewegung

Schulen sind gefordert

Jugendlichen liegen Umweltschutz und Nachhaltigkeit am Herzen. Von einer desinteressierten und passiven Generation kann keine Rede sein. „Was fehlt, ist die Befähigung zum Engagement. Hier sind die Schulen gefragt“, erklärt der Professor für Nachhaltigkeitsforschung, Prof. Dr. Gerd Michelsen. Unter seiner Leitung wurden kürzlich die vorläufigen Ergebnisse des „Nachhaltigkeitsbarometers 2014“  vorgestellt. Zwar gebe es viele engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die aus persönlichem Interesse das Thema aufgreifen, doch es fehle die systematische Einbindung des Themas nachhaltige Entwicklung in den Lehrplänen und auch in den Schulkonzepten, so Michelsen. Auch an geeigneten Aus- und Weiterbildungsangeboten für Lehrkräfte mangele es.

1.511 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren wurden befragt

Gemeinsam mit Heiko Grunenberg und Dr. Clemens Mader, beide sind Mitarbeiter des UNESCO Chair „Hochschulbildung für nachhaltige Entwicklung“, führte Michelsen im Auftrag von Greenpeace eine repräsentative Studie durch. 1.511 Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren wurden deutschlandweit zu ihrem Nachhaltigkeitsbewusstsein befragt. „Das Nachhaltigkeitsbarometer 2014 zeigt deutlich, dass das Interesse, sich zu engagieren, durchaus ausgeprägt ist“, so Michelsen. 49 Prozent der befragten Jugendlichen gaben an, sich entweder bereits in regionalen Energieprojekten einzubringen oder dies gern tun zu wollen. Lediglich 19 Prozent der jüngeren Generation gaben an, dass man ihre Unterrichtsfächer thematisch miteinander verknüpfe. Dies ist deswegen so wichtig, da die Verknüpfung von Fachgebieten – etwa von Chemie und Physik mit Geschichte oder Geographie – für das Verstehen systematischer Zusammenhänge im Sinne der Nachhaltigkeit entscheidend ist. Lediglich fünf Prozent der Befragten gaben an, in längerfristigen Projekten, welche antizipative und strategische Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler fördern, gearbeitet zu haben. Darüberhinaus scheint es bei der Vermittlung von alternativen Denkweisen und innovativen Ideen Defizite zu geben. Nur 11 Prozent der Befragten haben sich im Unterricht mit anderen Sichtweisen beschäftigt, 19 Prozent haben sich mit Zukunftsvisionen befasst. Und bei nur 15 Prozent der befragten Jugendlichen fand im Unterricht ein Austausch mit Menschen anderer Länder, anderen Alters oder anderer Kulturen statt.

Die Ergebnisse sind besorgniserregend

Professor Michelsen und sein Team fordern daher Aus- und Weiterbildungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer. Die Verankerung von Bildung für nachhaltige Entwicklung in den Bildungsplänen für alle relevanten Fächer muss gewährleistet werden. „Wir brauchen eine viel stärkere Rolle der Schulen. Sie müssen die Jugendlichen mit dem nötigen Rüstzeug ausstatten, damit die Schülerinnen und Schüler lernen, die Auswirkungen ihres Handelns abschätzen und verantwortungsvolle Entscheidungen für die Zukunft treffen zu können. Dafür müssen die Lehrkräfte natürlich entsprechend aus- und weitergebildet werden“, so Michelsen und seine Kollegen vom UNESCO Chair.

Die erwähnten vorläufigen Ergebnisse aus dem Nachhaltigkeitsbarometer 2014 finden Sie HIER . Die gesamte Studie wird Ende 2015 veröffentlicht. Professor Michelsen und sein Team entfalten aufgrund der gewonnenen Erkenntnisse eine Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten, u. a. in verschiedenen Lehr- und Lernformaten im Rahmen des Semesters an der Leuphana Universität in Lüneburg. (eh)

Quelle: www.leuphana.de/news/meldungen-forschung/ansicht/datum/2015/07/14/bildung-fuer-nachhaltige-entwicklung-schulen-muessen-mehr-tun.html

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