Sie präsentierten das Generationen-Manifest (v.l.): Nathan Bedford-Strohm, Maja Göpel, Hans-Joachim Schellnhuber, Claudia Langer, Joana Breidenbach (Foto: MR)
Bild: Sie präsentierten das Generationen-Manifest (v.l.): Nathan Bedford-Strohm, Maja Göpel, Hans-Joachim Schellnhuber, Claudia Langer, Joana Breidenbach (Foto: MR)
8. September 2017  /// Bewegung Gesellschaft

Sorge um die künftigen Generationen

Manifest-Gruppe stellt zehn zentrale Forderungen an die Politik

Eine Gruppe von 45 zukunftsbesorgten Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und öffentlichem Leben hat sich unter dem Dach der Generationenstiftung zusammengefunden und ein „Generationenmanifest“ mit zehn zentralen Forderungen an die deutsche Politik verfasst, das am Donnerstag in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Fünf Vertreter der Initiative erläuterten die Kernpunkte des Manifests und die weitergehenden Aktivitäten, darunter einer Unterschriftensammlung.

Das Manifest benennt die zehn größten Bedrohungen für die kommenden Generationen und zeigt zugleich Lösungen auf, die von der Politik aufgegriffen und umgesetzt werden sollen. Dazu zählen die Themen Armutsbekämpfung, Bildung, Digitalisierung, Frieden, Klima, Migration, Müll, Unternehmenshaftung und Generationengerechtigkeit. Die Themen habe eine Berührung mit den 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Nach viermonatiger Vorbereitungszeit sei der jetzige Veröffentlichungstermin mit Absicht gewählt worden, erklärte Manifest-Initiatorin Claudia Langer: „Im Endspurt zum Bundestagswahlkampf wollen wir Politik und Wähler in die Verantwortung nehmen“. Dabei agiere die Initiative überparteilich.

„Wir können vermeiden, dass unsere Nachkommen schlechtere Lebensbedingungen haben als wir“, sagte der Potsdamer Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber. „Das Generationen-Manifest ist ein entscheidender Schritt dabei“. Eine entsprechende Orientierung müsse auch Eingang ins Grundgesetz finden.

Die zehn Forderungen des Generationen-Manifests, die in der Langfassung auch die Lösungsansätze benennen:

. 1 Frieden: Eine Zukunft ohne Krieg ist nicht selbstverständlich.

. 2 Klima: Mit allen Mitteln die Klimakatastrophe abwenden.

. 3 Bildung: Wir werden neue Kompetenzen brauchen.

. 4 Armutsbekämpfung: Hunger, Armut und Überbevölkerung beenden

. 5 Gerechtigkeit: Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich verringern

. 6 Unternehmenshaftung: Unternehmen und Banken dürfen nicht gegen, sondern müssen für die Menschen arbeiten

. 7 Migration: Menschen werden kommen, sie haben ein Recht darauf

. 8 Digitalisieurung: Die digitale Revolution birgt Chancen und Risiken

. 9 Müll: Abfall darf nicht unser Hauptvermächtnis an künftige Generationen werden

. 10 Generationengerechtigkeit: Aufnahme ins Grundgesetz!

Grafik: obs/Generationen Stiftung
Grafik: obs/Generationen Stiftung

Nach der Wahl soll es in zwei Richtungen weiter gehen. An die Politiker richtet sich die Erwartung, dass die zehn Forderungen Eingang in die Themen der Koalitionsverhandlungen zur nächsten Bundesregierung finden werden.

Zwei Millionen Unterschriften und ein Generationenvertrag

Parallel dazu soll mit der Zivilgesellschaft ein „langfristiger Dialog“ begonnen werden. Ein Element, das am gleichen Tag gestartet wurde, ist eine Unterschriftensammlung zur Unterstützung des Manifests. Bei einer ähnlichen Aktion, die Langer vor vier Jahren ins Leben rief, sammelt das damalige Generationen-Manifest 105.000 Unterstützer-Unterschriften. Diesmal will man nach höheren Sternen greifen: Von zwei Millionen angestrebten Unterstützern war die Rede. An den beiden ersten Tagen gingen über 1000 Unterschriften ein.

Auf der Basis des Manifests soll schließlich ein „Generationenvertrag“ entwickelt werden. Dessen Absicht sei es, so wurde in der Pressekonferenz erklärt, „die Generationengerechtigkeit wieder in den Mittelpunkt der politischen Landschaft und der gesellschaftlichen Diskussion zu stellen“.

Neue Vision von Wohlstand und gutem Leben

Maja Göpel, Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen (WBGU), sagte in der Pressekonferenz: „Deutschland 2017 ist eine Blase des Wohlstands, aber in einer sich rasant verändernden Welt. Wir wissen, dass diese Art von Wohlstand nicht nachhaltig ist, und wir wissen auch, dass er nicht zu halten ist. Deshalb brauchen wir eine neue Vision, was Wohlstand und gutes Leben in einer digitalisierten und vernetzten Zukunft mit zehn Milliarden Menschen ausmacht. Wir müssen einen Strukturwandel angehen – wir kommen nicht mehr um diesen Begriff herum.

Die Wirtschaft wird leiden? Ach, Blödsinn. Es wird Teile der Wirtschaft geben, die werden wahnsinnig wachsen und andere müssen schrumpfen. Wir müssen anfangen, die Lösungen nach vorne zu stellen, die wirklich in der Zukunft funktionieren können, und jenen freundlich „Auf Wiedersehen“ zu sagen, die leider nicht mehr dabei sein können.

Das bedeutet langfristige Politik mit Gestaltungsanspruch. Und vor allem eine demokratische Rückbindung, die die Menschen wieder als proaktive Akteure und nicht als abnickende Empfänger der Veränderung begreift. Das bedeutet langfristig auch gemeinwohlorientierte Investitionen, bei denen erfolgreiches Wirtschaften nicht mehr zu Lasten sozialer Standards und ökologischer Ausbeutung stattfindet. Und es bedeutet eine ernsthafte und ethisch geerdete Diskussion über eine gerechte Verteilung von Privilegien, Risiken, Zugang und Vermögen – insbesondere zwischen den Generationen. Denn die Abwesenheit von langfristiger Orientierung bedeutet eine Ignoranz der Auswirkungen unseres heutigen Handelns auf diejenigen, die sich nicht dagegen wehren können.“

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