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17. Mai 2017  /// Bewegung

„System Change, not Climate Change“

Der Klimamarsch in Wien demonstrierte für Klimaschutz durch Systemwandel

Unter dem Titel „System Change, not Climate Change“ fand in Wien Ende April, nur eine Woche nach dem „March for Sciene“, ein „Climate March“ statt. Ausgehend vom „People’s Climate March“ in Washington D.C. gingen am 29. April 2017 weltweit hunderttausende Menschen für ihre Zukunft auf die Straße. Sie stellten sich gegen Klimawandelleugner wie Donald Trump und eine Politik, die Klimaschutz heuchelt, aber ein „Weiter wie bisher“ verfolgt. Die „New York Times“, CNN und viele andere haben darüber berichtet. Auch Hollywood-Schauspieler Leonardo DiCaprio gehörte zu den Klimamarschierern vor dem Weißen Haus. Während in den USA in 300 Orten zu Klima-Demonstrationen aufgerufen wurden, waren es in Europa sehr viel weniger. In Deutschland gab es nur für Leipzig einen Aufruf.

Manifestation in Wien

In Wien waren es laut APA 2500 DemonstrantInnen, die unter dem Motto „Klima vor Profite!“ für eine „echte und solidarische Klimapolitik“ vors Parlament zogen. Österreichs CO2-Emissionen seien heute noch immer auf dem Niveau von 1990. Die geplante und vom Bundesverwaltungsgericht abgelehnte 3. Piste am Flughafen Wien-Schwechat war dabei ein zentrales Thema der RednerInnen. Der Wiener People’s Climate March wurde von der Klimabewegung „System Change, not Climate Change!“ gemeinsam mit den Organisationen Attac, Greenpeace, Neue Linkswende, Obra, Plattform 20.000 Frauen und Plattform für eine menschliche Asylpolitik veranstaltet.

„System Change, not Climate Change!” bezeichnet sich als eine „soziale Bewegung, bestehend aus einer Vielzahl von Aktivist*innen und Initiativen, die über Österreich verteilt zusammenarbeiten, um echte und solidarische Lösungen für die globale Klimakrise voranzutreiben“. Bei der Startkundgebung am Praterstern sprachen Adam Pawloff, Greenpeace Österreich, Erich Fenninger, Volkshilfe, und Marilen Lorenz, Neue Linkswende. Redner*innen der Abschlusskundgebung vorm Parlament waren Manuel Grebenjak, System Change, not Climate Change!, Carla Weinzierl, Attac, Helga Kromp-Kolb, Universität für Bodenkultur Wien, sowie Heidi Ambrosch, Plattform 20.000 Frauen. Das Manifest zum #ClimateMarchWien wurde von u. a. von Ulrich Brand und Alexandra Strickner unterschrieben.

„Der Klimawandel ist eine globale Bedrohung für unsere Welt. Um das Problem zu lösen, braucht es echte Taten und keine Lippenbekenntnisse von der Politik”, meinte Adam Pawloff, Klima- und Energiesprecher von Greenpeace in Österreich laut Vienna.at. Gewarnt wurde wurde vor den Folgen der umstrittenen Freihandelsverträge. „Mit TTIP oder CETA können Klimaschutzmaßnahmen als Handelshemmnisse bekämpft werden oder Konzernklagen zur Folge haben. Eine weitere Liberalisierung des Handels würde den Gütertransport und damit die CO2-Emissionen massiv steigern. Um den Klimawandel in den Griff zu bekommen, muss sich die Art und Weise, wie wir wirtschaften und leben, grundsätzlich ändern. Dafür ist die Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe nötig, anstatt Freihandelsverträge, die nur Konzerninteressen dienen“, so Carla Weinzierl von Attac Österreich.

„Österreich muss endlich seinen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz leisten und die Chancen erkennen, die im Umbau der Wirtschaft und insbesondere der Energieversorgung liegen: nachhaltige Arbeitsplätze, eine intakte Umwelt und höhere Lebensqualität für uns alle“, äußerte sich Manuel Grebenjak von „System Change, not Climate Change!“ abschließend. Auf der Facebook-Seite zum Klimamarsch gab es 60 Beiträge in der Diskussion, Informationen liefen auch über Twitter.

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Aktionen in Innsbruck und Genf

Nur wenige Teilnehmer – nach Presseangaben rund 40 – hatte der Klimamarsch in Innsbruck. Dort hatten acht Tiroler Initiativen – von Greenpeace über grüne und sozialistische Studenten bis hin zum Klimabündnis – zum Mitmachen aufgerufen. In Innsbruck sprachen Andrä Stigger, Geschäftsführer Klimabündnis Tirol, und LHStv. Ingrid Felipe. Jeder Einzelne stehe in der Pflicht, mit seiner Einflussmacht als kritischer Konsument das System zu ändern.

Im schweizerischen Genf marschierten 500 Menschen für den Klimaschutz. Sie forderten die Verantwortlichen von Politik, multinationalen Konzernen und die Banken auf, das Klimaschutzabkommen von Paris zu respektieren. Die Energiestrategie 2050, über welche die Schweiz am 21. Mai abstimmen wird, sei ein erster Schritt im Hinblick auf die Respektierung des Klimaabkommens, sagte Greenpeace-Sprecher Matthias Schlegel am Rande der Kundgebung der Luzerner Zeitung. Aber sie sei noch nicht ausreichend.

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Gedanken zum diesjährigen Climate-March

Ilse Kleinschuster gingen beim Marschieren über die Ringstraße einige Gedanken durch den Kopf.

Während ich da so marschiere, gehen mir viele Gedanken durch den Kopf: Was bedeutet der Slogan ‚system change – not climate change? Was braucht’s, damit wieder das Richtige wächst?

Vieles scheint jetzt schief zu laufen! Warum nur? In meinen Augen hat es viel mit Kultur- und Ethikverlust zu tun. Schaffen wir uns also ein anderes System, ein System das Gerechtigkeit und Ausgleich organisiert, ein System, das Verschmutzungs-, Produktions- /Konsumtionsrechte und Kompensationsrechte grundsätzlich anerkennt! Anlässlich des „Climate-March“ am letzten Novemberwochenende 2015 – direkt vor dem internationalen Klimagipfel COP21 in Paris – wurde propagiert „Wir brauchen tatsächliche Lösungen, die die Klimakrise an den Wurzeln anpacken.“

Zielgerichtete, ressortübergreifende Nachhaltigkeitsstrategie

Was mir bis heute fehlt, ist eine wirklich ressortübergreifende Nachhaltigkeitsstrategie, die nicht nur die Energietransformation im Auge hat, sondern eine universelle „Große Transformation“. Gehört dazu nicht auch die Transformation von jenen Gesellschaftsschichten, die noch immer wehrhaft allen Veränderungen widerstehen, in der Meinung, es könne für sie persönlich nur schlimmer kommen?!?

Und, so frage ich mich, wie soll es denn in diesen Gesellschaftsschichten je zu Visionen einer besseren Zukunft kommen können, wenn vonseiten ihrer Verantwortungsträger eher ängstliche Mutlosigkeit und wenig Lust auf Veränderung demonstriert wird. Wenn maximal Rechts-und Links-Populisten Verbesserungen versprechen, die sie nicht halten können – ich fürchte, so werden nur falsche Hoffnungen geweckt, die – wie man sieht – oft zu gefährlichen Auswirkungen führen.

Der Top-Down Ansatz hat ausgedient

Länder sollten sich nicht gezwungen fühlen, sich an ein strenges, zentralistisches Regime zu halten. Die Einführung von freiwilligen Maßnahmen, die vielen kleinen Mutmacher-Aktionen, haben vielfach bereits zu Fortschritten geführt. Nicht nur Europa, auch USA, China, Indien und Afrika haben bereits gezeigt, wie Bottom-Up-Ansätze funktionieren können, wenn sie an bestehenden Gepflogenheiten ansetzen. Staaten wollen politisch überleben und wirtschaftliche erfolgreich sein – sie werden erst dann zu den Klimaschutzmaßnahmen beitragen, wenn sie wissen, dass ihre Konkurrenten auch so handeln. So gesehen, markiert der Trend zum Bottom-Up einen sehr wichtigen Schritt nach vorne.

Aufbruch-Stimmung

Das angepeilte 2° oder gar 1,5°-Ziel zu erreichen – wobei bei diese Welt schon keine ideale ist – ist aber immer noch besser als eine Welt, in der der Klimawandel völlig außer Kontrolle gerät. Das Ziel schnell zu erreichen wird nicht leicht sein: „Lügen können den Sprint gewinnen, aber die Wahrheit gewinnt den Marathon“ (Michael Jackson). Frustration befällt mich oft, wenn ich von Arbeitsgruppensitzungen komme, weil alles so langsam geht. Andererseits, hat es doch in zivilgesellschaftlichen Kreisen noch nie so viel Aufbruch-Stimmung gegeben, es wurde noch nie so viel über alternative Konzepte und politische Projekte zur Zukunftsfähigkeit der Gesellschaft debattiert wie heute.

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