Susanne Wolf
Bild: Susanne Wolf
6. Juli 2015  /// Leben Politik

The Green Apple

„Preserve the plants, stay on the path“. Das Schild im High Line Park im Westen Manhattans steht für ein neues, grünes New York. Auf dem Spazierweg herrscht an diesem Samstag reges Treiben: zahlreiche Spaziergänger und Jogger nutzen den schönen Tag, um dem Großstadttrubel zu entfliehen, Kinder balancieren auf den stillgelegten Gleisen. Die 2,5 km lange High Line ist eines der Vorzeigeprojekte der Bloomberg-Ära: jahrelang rottete die ehemalige Hochbahntrasse in Chelsea vor sich hin, bis eine Bürgerinitiative die Umwandlung in eine begrünte Promenade erwirkte. Heute kümmern sich ehrenamtliche Gärtner um die Grünflächen, Holzbänke laden zum Verweilen ein. Der Spaziergang 20 Meter über der Stadt ist bei New Yorkern wie Touristen gleichermaßen beliebt, hier lässt es sich gut vom Trubel der Großstadt verschnaufen.

Mehr Grünflächen

2007 legte der damalige Bürgermeister Michael Bloomberg mit PlaNYC einen ehrgeizigen Umweltplan vor: Er sieht vor, die Treibhausgase in New York bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent zu senken, eine Million Bäume zu pflanzen, den Energieverbrauch zu senken und Müllberge zu verringern. Jeder New Yorker soll nicht weiter als zehn Minuten Fußweg von einem Park entfernt leben. Bloombergs Plan, alle Taxis auf Hybrid-Autos umzustellen, scheiterte jedoch am Widerstand einzelner Taxi-Unternehmen. Zur Zeit werden Elektrotaxis getestet.

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Im Zuge des Projekts Vision 2020 wurden Grünflächen am Wasser wie die Hudson River Park Promenade oder der Brooklyn Bridge Park angelegt. Dahinter steht Amanda Burden, Planungsleiterin unter Bürgermeister Bloomberg. Auch der Manhattan Waterfront Greenway, ein 50 km langer, begrünter Rad- und Gehweg, der beinahe die gesamte Insel umrundet, geht auf Burdens Konto. 600 km Fahrradwege wurden insgesamt angelegt, mit dem CitiBike gibt es seit letztem Jahr das größte Leihradsystem der USA. Für Menschen, die in Downtown Manhattan unterwegs sind und eine kurze Strecke zurücklegen möchten, ist das CitiBike perfekt, für lange Strecken bieten sich Radverleihe wie Bike&Roll an, der mehrere Verleihstationen in Manhattan hat. Während Radfahren in den dichtbefahrenen Straßen sich nach wie vor als Abenteuer gestaltet, ist es im Central Park alles andere als das: Radfahren ist hier nur auf der Hauptstraße, die einmal rund um den Park führt, erlaubt und das ausschließlich gegen den Uhrzeigersinn („Cyclists must always travel counter-clockwise around the Park“). Diese Regulierungswut der New Yorker zeigt sich auch auf anderen Gebieten. „Tidy up behind your dog“, „No smoking within the park“ wird aber ebenso gerne ad absurdum geführt, etwa wenn Skater sich begleitet vom wütenden Hupen der Autofahrer den Broadway erobern.

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Der Times Square als Fußgängerzone

Verantwortlich für die Transformation New Yorks in eine radfahrer- und fußgängerfreundliche Stadt ist Janette Sadik-Khan, Verkehrsbeauftragte unter Bürgermeister Bloomberg. „Unsere Straßen waren aus dem Gleichgewicht“, sagt Sadik-Khan. „Sie waren in erster Linie für Autos konzipiert, obwohl nur ein Drittel der New Yorker regelmäßig mit dem Auto unterwegs ist.“ Sadik-Khan hatte die Idee, verkehrsberuhigte Zonen in Manhattan einzuführen, einschließlich einer Fußgängerzone am Times Square. „Der Times Square war früher ein gordischer Verkehrsknoten“, ergänzt die Politikerin. „90 Prozent der Straßen waren für Autos vorgesehen, aber 90 Prozent der Nutzer waren Fußgänger.“ Heute ist dort, wo früher Autos die Straßen verstopften, eine Fußgängerzone mit öffentlichen Sitzgelegenheiten und einer Tribüne, auf der erschöpfte Besucher das Treiben rundherum auf sich wirken lassen können.

Und Sadik-Khans Nachfolgerin Polly Trottenberg ging mit dem neugewählten Bürgermeister Bill de Blasio einen Schritt weiter: Im Jänner 2014 startete das Projekt Vision Zero mit dem Ziel, die Zahl der Verkehrstoten in der Stadt zu verringern. So wurde die Höchstgeschwindigkeit auf New Yorks Straßen von 48 auf 40 Stundenkilometer (25 Meilen) gesenkt, dazu kamen Maßnahmen wie verbreiterte Gehsteige oder von Fahrbahnen getrennte Radwege. Die Zahl der Verkehrstoten sank im Jahr 2014 von 300 auf 250 gegenüber dem Vorjahr, unter Fußgängern gab es um 27 Prozent weniger Opfer als im Jahr zuvor. Der Einführung von Vision Zero waren Proteste von Bewohnern vorangegangen, die die hohe Zahl an Verkehrstoten nicht mehr hinnehmen wollten. Zum Vergleich: In Wien starben 2014 acht Fußgänger im Straßenverkehr, in New York waren es im gleichen Zeitraum 131 Fußgänger.

Gemeinschaftsgärten boomen

Auch Urban Gardening boomt in Form von Gemeinschaftsgärten, den community gardens. Ein besonders idyllisches Beispiel dafür ist der Joseph Daniel Wilson Memorial Garden in Harlem: Eingeklemmt zwischen den typischen Brownstone-Häusern, wachsen hier Apfelbäume neben Gemüsepflanzen und einer Unmenge an Blumen. Initiatiorin des Gartens war Cynthia Nibbelink Worley, die bereits 1985 das „Project Harmony“ ins Leben rief, um das Viertel sicher und sauber zu halten. Heute steht Worleys Garten unter dem Schutz von Green Thumb, dem New Yorker Programm für Gemeinschaftsgärten. „Der damalige Bürgermeister Rudy Guiliani wollte „ungenutztes“ Stadtgebiet für andere Zwecke verwenden“, erklärt die heute 66-jährige Worley. „Aber wir konnten uns mit Hilfe eines Anwalts und zahlreicher Mitstreiter durchsetzen.“ Wenige Jahre später unterschrieb der neugewählte Bürgermeister Michael Bloomberg eine Vereinbarung, die 200 Gemeinschaftsgärten in die Zuständigkeit des Park Department aufnahm.

Erste Erfolge sichtbar

Nicht nur New Yorks Politiker sind gefordert, Bloombergs Umweltziele umzusetzen, sondern auch die Bewohner. GreeNYC, die Ergänzung zu PlaNYC, bietet zahlreiche  Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil wie sparsamen Energieverbrauch, Müllvermeidung oder Recycling. „Unser Stromanbieter schickte sogar Mitarbeiter aus, um Menschen mit Energiesparlampen auszustatten“, erzählt Carola Doll, eine Deutsche, die seit sechs Jahren in Manhattan lebt. „Und der Hausmeister ist aufgefordert, die Mülltrennung zu kontrollieren – bei Nichtbeachtung droht eine Geldstrafe.“

Harlem

Die ersten Erfolge von plaNYC  sind bereits sicht- und spürbar: 800 000 Bäume wurden gepflanzt und der CO2-Ausstoß um 19 Prozent gesenkt. Da 75 Prozent der New Yorker CO2-Emissionen aus dem Stromverbrauch von Gebäuden stammt, wurde 2009 zudem der Greener, Greater Buildings Plan ins Leben gerufen, der die Energieeffizienz steigern und den CO2-Ausstoß bis 2050 um weitere 10 Prozent senken soll. Denn Bürgermeister Bill de Blasio hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: bis 2050 sollen New Yorks Treibhausgase um 80 Prozent reduziert werden.

 

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