Copyright: Agnes Zorell / Theater Olé
Bild: Copyright: Agnes Zorell / Theater Olé
5. April 2016  /// Gastkommentar Meinung Politik

Trump ist kein Clown!

Ein Gastkommentar von Hubertus Zorell (Clown und Theaterdirektor)

Wo und wann immer Rabiat-Populisten und Verbal-Amokläufer wie Donald Trump auftauchen, um ihr jeweiliges Polit-Biotop aufzumischen, bleibt es leider nicht aus, dass sie in den Medien immer wieder und hartnäckig als „CLOWNS“ bezeichnet werden.

Diese Titulierung ist beleidigend und trifft außerdem DANEBEN. Sie beleidigt alle Clowns und trifft so SEHR daneben, dass es selbst für einen CLOWN schwierig wäre, DANEBENER zu treffen, da neben daneben dann eben einfach NICHTS MEHR KOMMT, wohin man treffen könnte.

Trump ist ja auch beispielsweise kein PHILOSOPH; obwohl er Aussagen über die WELT macht, was Philosophen zugegebenermaßen AUCH tun. Wenn irgendetwas sowohl für A als auch für B zutrifft, heißt das noch nicht, dass A gleich B ist. Ja, Trump ist LÄCHERLICH. Ja, Clowns sind AUCH LÄCHERLICH. Aber Trumps Lächerlichkeit fehlt alles Clowneske ebenso wie seinen Aussagen alles Philosophische fehlt: Substanz, Differenzierung, Dichte, Wahrheit.

Und Humor. Der besteht ja in der einigermaßen kontinuierlich ausgeübten Kunst, die EIGENE LÄCHERLICHKEIT in den Blick zu nehmen. Über SICH SELBST lachen zu können, ist die VORAUSSETZUNG aller Clownerie. Wenn ein Clown sich für Donald Trump halten würde, könnte er etwa sagen: „Die Welt ist dazu da, damit ICH einen Platz habe, auf den ich pinkeln kann!“ Das wäre dann eine wahre und wahrhaftige clowneske Aussage. Weil es alles, was Trump zu sagen hat, auf den Punkt bringt. Und während er es sagt, würde unser Trump-Clown vielleicht versuchen, gegen den Wind zu pinkeln…

Trump SELBER käme aber NIEMALS auf so eine Idee. Er KANN gar nicht darauf kommen.

Denn er ist eine Planierraupe. Der Clown dagegen ist eine naive, verletzliche Kunstfigur, deren Zusammenprall mit der Wirklichkeit selten schmerzfrei endet. Die blutrot aufgeschwollene Nase, die ihn oft kennzeichnet, ist kein Zufall, kein hübsches traditionelles Accessoire, sondern steht für eben dieses brisante, gebrochene, schmerzhafte Verhältnis zur Welt.

Eitel, vulgär, betrügerisch, brutal und gemein zu sein, ist natürlich niemandem fremd. Und es kann Spaß machen. AUCH und GERADE einem Clown. Weil WIR ALLE – als MENSCHEN – diese Eigenschaften und Tendenzen in uns tragen. Es ist zwar kaum zu glauben, aber trotzdem definitiv KEIN WUNDER, dass so viele Leute sich Trump als Präsidenten vorstellen können. Er spiegelt uns etwas zurück, was wir AUCH sind. Insofern lohnt es sich, genau hinzuschauen. Und zwar auf Trump UND auf uns selber. So hat sich Chaplin Hitler angeschaut. Daraus ist „Der große Diktator“ geworden. Wir alle sind Hitler. Wir alle sind Trump. Das sagt uns der Clown. Aber er sagt eben auch: „Passt mal gut auf, ihr Trampel, am Ende wird’s garantiert weh tun!“

Darum: bitte, liebe Medienleute, wenn ihr Trump und Konsorten BEZEICHNEN wollt, dann lasst euch etwas BEZEICHNENDES einfallen! Wenn ihr sie polemisch fassen wollt, ADELT SIE NICHT mit einem Titel, der ihnen nicht zukommt! Es gäbe so viele Charakterisierungen für solche Leute, die einen klaren Bezug zur Wahrheit hätten. LÜGNER, BETRÜGER, PFAU, PORNOGRAPH, WIDERLING… WITZFIGUR. WURSCHT, WAS! Ach ja, genau: WURSCHTL!

ABER UM HIMMELS WILLEN NICHT CLOWN!

Hubertus Zorell (im Foto oben ganz rechts)
Co-Direktor des THEATERS OLÉ – Wiens erstbestem Clowntheater.
Theatermacher: Erzähltheater (Nibelungenlied, Faust, Orest, Märchen…), Clownerie (Sommerakademie Graz, Workshops in Wien…), Spieler, Schreiber , Regisseur, Theaterpädagoge.

Dieser Kommentar wurde ursprünglich als Teil des Newsletter (bzw. in Eigenschreibweise „Njuußlätters“) des „Theater Olé – Wiens erstbestem Clowntheater“ verschickt. Mit ausdrücklicher Erlaubnis des Verfassers, Co-Direktor und Clown Hubertus Zorell, wollen wir diesen wunderbaren Kommentar hier auch mit unseren N21-Lesern teilen.

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