Manfred Ronzheimer
Bild: Manfred Ronzheimer
7. Juli 2017  /// Energie Wirtschaft Wissenschaft

Verkehr bremst Energiewende

Zukunftskongress „Energieoffensive 2030“ diskutierte über Forschung für die Energiewende

Der Erfolg der Energiewende in Deutschland wird vom Verkehr sabotiert. Die hehren klimapolitischen Ziele der Bundesregierung werden regelmäßig von steigenden Emissionen aus dem Autoauspuff zunichte gemacht. „Im Verkehr sehen wir null Energiewende“, stellte der Mobilitätsexperte Andreas Knie jetzt auf dem Zukunftskongress „Energieoffensive 2030“ in Berlin fest.

Eine schnelle Veränderung wird es für den Fachmann vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) in diesem Sektor nur durch Gesetze und Regulationen geben, und nicht so sehr durch Forschung und Innovation, worauf das veranstaltende Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) setzt. „Vierzig Prozent der CO2-Einsparung im Verkehr können wir durch pure Verhaltensänderung erreichen“, bemerkte Knie.

Zweck der Tagung war es, die wissenschaftliche Flankierung der Energiewende zu beleuchten. Das BMBF hat dazu ein riesiges Forschungsprogramm, die mit 400 Millionen Euro ausgestatteten „Kopernikus“-Projekte aufgelegt. Die Bilanz fiel bemerkenswert kritisch aus. Überall machten die Teilnehmer aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft Mängel beim Großumbau des Energiesystems aus.

Mit ihrer überdimensionierten Förderung von Photovoltaik und Windkraft sei die deutsche Energiewende mittlerweile „zu einem Modell geworden, wie man es nicht machen soll“, war die Position des Wirtschaftsforschers Clemens Fuest vom Münchener Ifo-Institut. Ein Gutteil der Subventionen für die Erneuerbaren Energien – die Rede war von 25 bis 30 Milliarden Euro pro Jahr – wäre in der Forschung besser angelegt. Die Lage, so eine Position auf der Konferenz, ähnele den Subventionsexzessen für die Landwirtschaft in den 70er Jahren, wo der Geldfluss immer mehr Butterberge und Milchseen produzierte. Tatsächlich wird aus den Reihen der praktisch verschwundenen deutschen Solarindustrie zugegeben, dass man zu spät in Forschung und Entwicklung investiert habe.

Fortlaufend kam in der Tagung das Spannungsfeld zwischen Technologieförderung und Ordnungsrecht zum Ausdruck. Im Verkehrsbereich steuerte die Entwicklung synthetischer Kraftstoffe bislang in die Sackgasse; die Batterieforschung wurde über Jahrzehnte verschlafen. Auch das Potenzial der „Wärmewende“ für den Klimaschutz wurde bisher nicht gehoben. Die Sanierungsquote im deutschen Wohnungsbau liege immer noch bei jährlich einem Prozent des Bestandes, sagte Andreas Kuhlmann, Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Der Sanierungsstau könnte mit einem Federstrich durch Änderung der steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten aufgelöst werden.

In gleicher Weise könnte eine andere wirtschaftspolitische Regulation, die Wiederbelebung des Handels mit Emissionszertifikaten, nach Einschätzung der Experten einen Schub für Energie-Innovationen auslösen. „Wir sind enttäuscht vom Zertifikatehandel in seiner heutigen Form“, stellte Christoph Heinrich vom Umweltverband WWF Deutschland fest. Der Staat solle nicht nur Innovationen anreizen, sondern müsse auch stärker seine ordnungspolitische Rolle ausfüllen. Sonst entstünden Schieflagen wie im Land Brandenburg, das auf einen Seite gerne den Champion bei Solar und Wind herauskehre, sich aber andererseits in unverständlicher Hartnäckigkeit „an seine heimische Braunkohle klammert“. Wenn sich dieser neue Mix aus Technik und Politik nicht einstelle, fürchtete Heinrich, „dann droht der Energiewende die Luft auszugehen“.

Links:

 

 

Wir freuen uns über Ihren Kommentar

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.