9. Dezember 2015  /// Kultur Umwelt

So viel Umwelt an den Füßen

Wie viele Schuhe braucht der Mensch, und welche?

Gut, dass wir unseren ökologischen Rucksack nicht Tag für Tag mit uns herumtragen müssen. 70 Tonnen pro Kopf und Jahr wiegt der Umweltverbrauch, den wir Westeuropäer mit unserem Konsum jährlich beanspruchen.  49 Millionen Paar Schuhe werden in Österreich jährlich verkauft. Pro Kopf sind es jährlich 6 Paar – mit einem wachsenden Anteil sehr niedrigpreisiger Schuhe, die passend zu modischen Outfits gekauft und anschließend sehr schnell wieder entsorgt werden.

Christine Ax ist mit Unterstützung des Nachhaltigkeitsforschungsinstituts SERI der Frage nachgegangen, wie hoch der Ressourcenverbrauch in Österreich ist, der mit dem Schuhkonsum verbunden ist. Geht man davon aus, dass zur Hälfte Lederschuhe und zur Hälfte Synthetikschuhe verkauft werden, so ergeben sich hieraus in einer ersten Näherung folgende Werte: Der Schuhkonsum verbraucht pro Kopf und Jahr 50 kg an Ressourcen (nachwachsende und nicht nachwachsende Rohstoffe) und 3 700 Liter Wasser. Der Wasserverbrauch bei Lederschuhen ist um rund 30% höher, als bei Schuhen die aus synthetischen Materialien hergestellt werden. Dafür übertrifft der Ressourcenverbrauch bei den Synthetikschuhen den Ressourcenverbrauch von Lederschuhen um das Doppelte.

Bezogen auf das ganze Jahr, sprechen wir von über 418 Millionen Tonnen Rohstoffen und 29 Millionen m3 Wasser (1 m3 Wasser = 1000 Liter), die Österreichs BürgerInnen Jahr für Jahr unter die Füße nehmen!

Die Menge an Material, Wasser und Energie, die für die Herstellung von Schuhen erforderlich ist, enthüllt nur die halbe Wahrheit über die Nachhaltigkeit der Produkte. Nicht weniger relevant ist unter anderem, unter welchen Bedingungen das Leder gegerbt wird und wo das viele Wasser, das mit der Schuhproduktion verbunden ist, verbraucht wurde. Wurde das Abwasser anschließend gereinigt? Kommen Menschen mit den zum Teil giftigen Gerbstoffen in Kontakt? Herrscht in den lederproduzierenden Regionen Wassermangel? Werden Urwälder für die Viehzucht gerodet? Welchen Beitrag leistet die Schuhproduktion zum Klimawandel? Werden die Menschen, die diese Schuhe herstellen, angemessen entlohnt und menschenwürdig behandelt?

Wenig beachtet, aber von weitreichenden Folgen ist die Qualität der Schuhe auch für die Gesundheit der KonsumentInnen. Während über die giftigen Chrome bereits viel geschrieben wurde und gute Schuhproduzenten daher darauf achten, dass das Futterleder vegetabil gegerbt wurde, sind vor allem die Folgen von Fußdeformationen ein dramatisch unterschätztes Risiko. Nicht nur die Füße, auch die Knie und das ganze Skelett nehmen durch nicht fußgerechte Schuhe schaden, wenn sie unsachgemäß getragen werden. Die Antwort darauf ist aber keineswegs immer der ganz besonders „bequeme“ Schuh, der manches Fußleiden verschlimmert oder überhaupt erst verursacht.

Der Zusammenhang zwischen der Qualität von Schuhen und dem Umweltverbrauch ist sehr direkt: Je höherwertiger das Leder, je besser die Passform und je „klassischer“ und somit langlebiger das Design ist, desto länger werden die Schuhe tatsächlich getragen. Legt man den Umweltverbrauch auf die Tage um, an denen die Schuhe tatsächlich getragen werden, zeigt sich, dass sich die Investition in hochwertige Lederschuhe auf jeden Fall lohnt. Lebenszyklusweit ist der Ressourcenverbrauch für die Herstellung und Reparatur von hochwertigen und  langlebigen Schuhen am geringsten. In der Regel lohnt es sich auch für den Geldbeutel und für die Gesundheit allemal. Wer Schuhe aus Österreich kauft oder sich beim Maßschuhmacher Schuhe machen lässt, kann außerdem sicher sein, dass nicht nur alle Sozialstandards eingehalten werden, sondern dass mit der Lohnsumme auch ein Beitrag zur Finanzierung des Sozialstaates geleistet wird. Würde man Schuhe unter dem Gesichtspunkt „Umweltverbrauch pro Arbeitsplatz“ aussuchen, wären vor allem Österreichs Manufakturen und Schuhmacherwerkstätten die erste Wahl. Angesichts der knapper werdenden Ressourcen weltweit, lohnt es sich, bei der Auswahl von Schuhen den Umweltverbrauch der hinter den Produkten steckt, mit einzubeziehen..

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