23. September 2015  /// Meinung Umwelt Wirtschaft

VW: Sie ernten, was sie säen

Es muss 1989 in etwa gewesen sein, als ein leitender Entwicklungsingenieur von VW meinem Kollegen und mir augenzwinkernd erklärte, dass es technisch natürlich überhaupt kein Problem sei, Neuwagen mit einem Abgaskatalysator zu bestücken. VW habe diese Technologie schon lange in der Schublade und leiste nur deshalb so erbitterten Widerstand gegen die Verpflichtung, Katalysatoren einzubauen, weil damit Kosten verbunden wären und die Rentabilität sinken würde.

Wir waren zu ihm gefahren, um ihm Fördermittel aus dem Bremer Programm „Arbeit und Umwelt“ anzubieten. Schon damals galt: Wer es ernst meint mit der Umwelt und dem Gemeinwohl, wird es niemals bis ganz nach oben schaffen. Und da soll doch bitte niemand sagen, das habe keiner gewusst.

Rücksichtslose Siegertypen

Auch heute noch sind Menschen, die es mit der Umwelt und der Nachhaltigkeit ernst nehmen, in Deutschlands Chefetagen Exoten, sind Sonderlinge und uncool, weil Spaßverderber. Wer will mit denen schon zu tun haben? Siegertypen sehen anders aus: sportlich, rücksichtslos; sie kommen von Eliteuniversitäten, sind anpassungsfähig und zu allem bereit, wenn es darum geht Karriere zu machen.

Wer mit Industrievertretern zu tun hat weiß, dass bis heute alles, was mit Grün zu tun hat, einfach ein NoGo ist, ein „must“, das man am liebsten an die CSR-Beauftragten delegiert. Und die können nur erfolgreich sein, wenn sie es schaffen, Umwelt- und Nachhaltigkeitsziele als Trojanisches Pferd in die Entscheidungsfindung einzuschmuggeln, oder wenn es darum geht, das Image aufzupolieren – und zwar ohne groß anzuecken. Dies beschrieb kürzlich eine französische Studie.

In den Vorständen und Aufsichtsräten regieren die Vertriebler, die Finanzvorstände, die Controller und das oberste Ziel sind steigende Umsatzzahlen, Marktanteile und die Finanzperformance. Da geht man auch schon mal über Leichen. Denn nichts anderes bedeutet es, wenn man die Abgaswerte schönt und klammheimlich mit stark überhöhten NOx-Emissionen die gefährlichen gesundheitlichen Folgen von Smog einfach ignoriert.

Es wäre wünchenswert, dass bei VW die gesamte Konzernspitze geht. Solch massive Compliance-Verletzungen haben immer etwas mit der Unternehmenskultur zu tun, und die kommt von oben. Nicht nur in Sachen Abgasen hat VW schon immer kein Gewissen gehabt. Auch im Bereich der Elektromobilität hat sich dieser Konzern bisher nicht mit Ruhm bekleckert. Auf dem Umweltauge war VW schon immer blind.

Zu Recht gerät jetzt aber auch die Rolle der Politik in den Fokus. VW war und ist zum Teil in öffentlicher Hand. Die Gewerkschaften haben eine sehr starke Stellung im VW Konzern. Und dass diejenigen, die die Abgase kontrollieren können und müssen, einfach immer weggesehen haben, obwohl die Umweltverbände auf dieses Thema hingewiesen haben, macht fassungslos.

Wie korrupt muss man sein, um sich so zu verhalten? Dass sich die Vorreiter solcher Ignoranz jetzt zu Tode gesiegt haben, lässt keine Freude aufkommen, denn die Rechnung zahlen immer die anderen. Bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen nicht mit hohen Abfindungen und hohen Rentenbezügen belohnt werden.

Die Studie „Métiers et parcours des cadres du DD et de la RSE“ kann hier nachgelesen werden.

Eine Antwort zu “VW: Sie ernten, was sie säen”

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