21. August 2015  /// Gesellschaft Leben

Alles ist möglich?

Der schnellere Computer, das geilere Smartphone, das größere Auto, die schickere Wohnung, den besseren Verkaufsabschluss, die tollere Karriere, das schönere Aussehen, hipper, fitter, gesünder, ….. egal wo wir hinblicken. Fakt ist, wir sind viermal leistungsfähiger als noch vor 100 Jahre. Damit stehen wir vor einem globalen Problem, welches gleichzeitig als Krankheit bezeichnet werden darf. Das Problem nennt sich „alles ist möglich“ und es äußert sich nicht nur durch unsere Konsumgewohnheiten und unseren Lebensstil. Er wird auch in unserem Umgang miteinander – im Job, Partnerschaften und Kindererziehung – und in der Folge mit uns selbst ersichtlich.

Burn-out heißt die dazugehörige Krankheit. Denn der Gedanke „alles ist möglich“ kann nur so stark in unserer Gesellschaft und Wirtschaft verwurzelt sein, wie der vorangegangen Gedanke „nichts ist unmöglich“ produziert und reproduziert wurde. Die Antwort darauf ist die Überforderung und lautet:

Nichts ist mehr möglich

Betroffene schildern diesen Zustand als ein Gefühl der Leere, des Ausgebranntsein und der Erschöpfung – verbunden mit allerlei seelischen und körperlichen Symptomen. Eine Veränderung im Leben und Erleben tritt ein. Die Vögel zwitschern nicht mehr, das Mitlachen und Mitfühlen mit Freunden und Kollegen mag nicht mehr gelingen. Manche werden distanziert, andere wieder distanzlos und aggressiv.

Die Fähigkeit zur Kompromissfindung, zur Fairness, Selbstbestimmung und Ordnung gehen verloren. Der „Autopilot wird eingeschaltet“, so berichten Betroffene. „Du funktionierst dann einfach nur mehr“ und „vieles läuft nur mehr nebenbei ab.“ Ein Antriebsverlust und ein Gefühl, persönlich nichts mehr zu erreichen oder leisten zu können, entstehen.

Um das alles durchzustehen, zu überleben und anderen gegenüber verbergen zu können, wird eine „Maske“ aufgesetzt. Manche Betroffene beschreiben auch, sie würden sich zum Schutz in ein „Kokon“ einhüllen. Wer so damit beschäftigt ist, seine Maske oder sein Kokon aufrecht zu erhalten, verliert dann noch zusätzlich Energie.

Viele glauben, ein paar Tage Ruhe und Stille bringen einen schon wieder auf die Beine und können die Kraftlosigkeit, Energielosigkeit und den Verlust der Fähigkeit mit anderen Menschen mitfühlen zu können wieder ausgleichen. Falsch gedacht. Denn wer es bis hier her geschafft hat, braucht Hilfe, Unterstützung und Handlungsalternativen. Die er nicht hat.

Denn hätte er sie, wäre er nicht so weit gekommen und wäre er nicht in diesem bekannten „Hamsterrad“ gelandet. Damit wird die Situation bezeichnet, dass man mit vermehrtem Energieaufwand versucht hat, eine Stresssituation auszugleichen, anstatt zeitgerecht Grenzen zu setzen und Entspannungs- und Erholungsphasen einzuplanen. Dies ist genau die Erklärung dafür, warum die Burn-out-Problematik vielen Menschen nicht bewusst ist und die Selbsttäuschung über die Situation und den eigenen Zustand überhaupt möglich ist.

Der Weg der Heilung

Wer seine Stärken, seinen Selbstwert und seine Ressourcen nicht kennt oder wem nie geholfen wurde, diese erkennen zu lernen, der kann leicht am Sinn seines eigenen Tuns zweifeln und Gefahr laufen, „auszubrennen“.

Daraus  lässt sich umgekehrt der Weg der Heilung schlussfolgern: Ein Burn-out kann Menschen dazu verhelfen, sich ihrer Stärken, ihrer Werte, ihrer Sehnsüchte, Bedürfnisse und vorallem der Verfügbarkeit ihrer individuellen Ressourcen bewusst zu machen. Insofern kann ein Burn-out ein persönliches Wachstum und eine Systemveränderung möglich machen, was in unserer derzeitigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation dringend notwendig ist.

Infos: www.der-weg.at

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