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19. September 2015  /// Bewegung Leben Textil

WearFair 2015: Zukunft groß ziehen, mit Liebe und Bedacht

Linz 18.09.2015. Sehr viel Mode und mehr als Mode: Auf der WearFair 2015, die gestern in Linz eröffnet wurde, gibt es viel zu sehen und zu lernen.

Über 200 Aussteller zeigen in den Hallen der Alten Tabakfabrik Mode für Groß und Klein. Das Interesse der BesucherInnen an dieser etwas anderen Mode ist groß. Den ganzen Nachmittag und bis in den Abend hinein begutachteten vor allem Frauen (natürlich) die bunte Vielfalt an Textilien. Viele kleine Labels und Anbieter präsentieren biofaire Mode. Wobei der Fair-Begriff eine große Bandbreite umfasst: von Labels, die sich auf die Versprechen von Zwischenhändlern und Zertifizierern verlassen, und andere, die in eigenen Werkstätten in  Berlin oder Wien oder im Auftrag in Polen, Asien oder Lateinamerika herstellen und direkt Einfluss auf faire Entlohnung und gute Arbeitsbedingungen nehmen.

 

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Lebensmittel-Halle Wear Fair (Foto: cax)

Eine Halle weiter gibt es Lebensmittel aus der Region, Naturkosmetik und Neuheiten wie Täschchen und Behälter, die aussehen wie Papier, aber Eigenschaften haben wie Plastik. Taschen, Hüte, Schals und Edelsteine nicht zu vergessen. Seidenprodukte aus Kambodscha, einen Schwedenbitter aus Österreich, der den Magen aufräumt, fairer Kaffee, faire Schokolade und ebenso praktische wie langlebige Haushaltsprodukte aus Naturprodukten, darunter auch Luftballons aus fairem Latex, vom einzigen Anbieter, den es überhaupt gibt.

Faire innovative Naturfaser

Abseits vom Modegetümmel findet man den Stand von Ruth Schobesberger. Sie weiß alles über die ganze Bandbreite der vielen Naturfasern, die bisher noch nicht so häufig  für die Textilproduktion verwendet werden, obwohl sie zum Teil erstaunliche Eigenschaften haben. In ihrem Wohnzimmer verspinnt die Linzerin selber unter anderem Milchseide, Kamelhaar, Tussahseide, Alpaka, Merino mulesing, Mühlviertler Schafwolle, Yakwolle, Hundewolle, Artyarn und Corespun, Ramie, Bananenfasern, Sojaseide, Rosenfasern u.a.m. Auf www.rutis.at kann man so manches darüber erfahren.

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Vegane Wolle und mehr gibt es bei Ruth Schobesberger (Foto: cax)

Interessante Beiträge zum Thema Nachhaltigkeit findet man auch z. B. auf dem Stand von „get-lazy“, wo Burn-out-Gefährdete fündig werden können. Dort gibt es die „get-lazy-Pants“, die den Feierabend noch entspannender gestalten, weil sie ihren Trägern sofort erlauben, endlich faul zu sein. Ein wahrhaft nachhaltiges Produkt. Denn nichts ist mit so hohem Ressourcenverbrauch verbunden, wie ständig zu arbeiten und die Welt mit immer mehr Dingen zu beglücken, die niemand mehr wirklich braucht.

Aus Alt mach Neu

In der Nähküche können BesucherInnen der WearFair unter fachkundiger Anleitung von Näh-Köchinnen und Näh-Köchen Kleidungsstücke reparieren oder „upgraden“. Aus Alt mach Neu ist ein Trend, der nicht nur hier, sondern an vielen Ständen zu beobachten ist. Handbestickte Tischdecken und alte Stoffe lassen sich, wie einige Stände beweisen, in Schönes, Praktisches und Stylisches verwandeln.

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Die Nähküche, aus Alt mach Neu. (Foto: cax)

Nachhaltig ist auch die Ausstattung der Messe. Alle Stände sind aus Pappe, die nach der Messe in Recycling gehen.

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Das Initiativendorf gibt Überblick über Projekte in ganz Österreich. (Foto: cax)

Spannende neue Initiativen

Die Mehr-Demokratie-wagen-Initiative oder der Informationsstand der TTIP-freien österreichischen Gemeinden und viele andere spannende Initiativen geben den BesucherInnen Gelegenheit, aus der Rolle der KonsumentInnen in die Rolle der BürgerInnen zu schlüpfen, und erinnern daran, dass eine nachhaltigere Welt nicht nur einen klugen Konsum erfordert, sondern auch zivilgesellschaftliches Engagement und Mitsprache.

Mitsprache bei solch historischen Weichenstellungen wie dem Freihandelsabkommen TTIP, das im nächsten Jahr zur Entscheidung ansteht und dessen Inhalte noch immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt werden. Und das, obwohl es am Ende weitreichende Folgen bis hinunter auf die kommunalpolitische Ebene und für die lokale Wirtschaft hat.

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Foto: cax

Der Abend – bunt, öko-fair und poetisch

Ein Höhepunkt der WearFair 2015 war die jährlich stattfinde Modenschau. Hobby-Models präsentierten einen Querschnitt der WearFair-Modelabels. Die Models mussten sehr viel mehr können, als gut auszusehen. Die atemberaubende Choreographie verlangte von ihnen nicht nur tänzerisches Können, sondern manchmal auch akrobatische Höchstleistungen. Die ZuschauerInnen waren begeistert. Erstmals endete der Abend mit einem Slam-Poetry-Wettbewerb. Sechs PoetInnen traten in diesem edlen Wettstreit gegeneinander an und setzten sich kritisch, ironisch, witzig oder berührend mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander. Für die schöne Überschrift dieses Artikels dankt N21 der Slam-Poetin Kay Kay.

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