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14. Oktober 2015  /// Europa Politik Ressourcen

Weck-Rufe aus den Schweizer Bergen – Das Weltressourcenforum in Davos

Davos, 13. Oktober 2015. Über 500 TeilnehmerInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik haben sich auch heuer zum World Resources Forum im berühmten Schweizer Luftkurort Davos versammelt. Drei Tage diskutieren sie darüber, wie die knapper werdenden Ressourcen angesichts wachsender Weltbevölkerung und wachsender Volkswirtschaften nachhaltig gemanagt werden können.

Der Ort ist ganz bewusst gewählt: In drei Monaten kommen die FührerInnen der Weltwirtschaft und der Weltpolitik hier zusammen, um über die drängendsten und langfristig gravierendsten Herausforderungen der Gegenwart zu diskutieren. Darunter auch die noch viel zu wenig bekannte Tatsache, dass das Wachstum der Weltwirtschaft von Ressourcenknappheiten ausgebremst wird.

Nicht zum ersten Mal werden hier Daten und Modelle zum globalen Ressourcenverbrauch präsentiert und Konzepte diskutiert, wie dieser Verbrauch auf einen Bruchteil reduziert werden könnte. Auch damit die 80 % armen Menschen auf diesem Planeten die Möglichkeit erhalten, ihre Wirtschaft und Gesellschaft  zu entwickeln. Immerhin: Die Datenlage wird immer besser, und wenn man jetzt genau hinschaut, stellt man fest: Wir Europäer könnten nicht einmal unsere Ernährungsgewohnheiten aufrecht erhalten, ganz zu Schweigen von unserem Lebensstil als Ganzem, ohne auf die erneuerbaren und nicht-erneuerbaren Ressourcen zurückzugreifen, die in anderen Teile der Erde „geerntet“ werden.

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Auch in diesem  Jahr spielt die echte Kreislaufwirtschaft („circular economy“) eine große Rolle. Viele Beispiele beweisen, dass Kreislaufwirtschaft heute für Unternehmen und Länder wirtschaftlich machbar ist. Unverständlich ist eigentlich nur, warum sich die EU-Kommission unter Jean-Claude Juncker seit Monaten ziert, das schon lange angekündigte Circular-Economy-„Paket“ zu veröffentlichen, das Europa auf einen nachhaltigen Weg bringen soll.

Nicht nur Wirtschaftsführer sind diesmal nach Davos gekommen, um über diese Fragen zu diskutieren, auch Verbandsvertreter wie Peter White, CEO des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD), Seta Thakur von ÖBU, einem entsprechenden Schweizer Netzwerk und auch Stephan Sicars von der UNO Organisation für industrielle Entwicklung (UNIDO) sind dabei.

In einem Plenum zum Thema „Circular Economy – the Business Case“ sagte Peter White: „Nachhaltigkeit wird es erst geben, wenn Unternehmen „true value, true costs and true profits“ in ihren Entscheidungen berücksichtigen und folglich auch den viel zu billigen Ressourcenverbrauch. Solche Statements hören wir in Davos aber schon seit Jahren. Die Zahlen über den globalen Ressourcenverbrauch lassen trotzdem nicht erkennen, dass in der Sache Fortschritte gemacht werden.

Und dann ist da auch noch die VW-Krise. Sie ist der „Elefant“ im Raum. Dieses deutsche Drama wird nur in Nebensätzen angesprochen, aber nicht diskutiert. Was aber bedeutet der von VW verursachte Vertrauensverlust für jegliche Nachhaltigkeitsarbeit in Unternehmen? Ganz kurz flackert auf, dass kleine und mittlere Unternehmen, die nicht den Erfordernissen der internationalen Finanzmärkte ausgeliefert sind, eigentlich mehr tun als große Kapitalgesellschaften. Und schon ist das Thema wieder vom Tisch.

Vermutlich ist es so, wie es die Umweltaktivistin Dianne Dillon-Ridgley sagt: Es braucht mehr politischen Druck, damit sich was bewegt. Dass sich die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industrienationen während ihres letzten Gipfels in Schloss Elmau auf Anregung Deutschlands darauf verständigt haben, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu schenken, wird hier in Davos immer noch gefeiert.

Wer auf dem World Resources Forum allerdings unübersehbar fehlt, sind die Vertreter der Politik. Die Aufrufe, die Steuerlast von der Arbeit auf Ressourcen zu verschieben, globale Ziele zur Verringerung des Ressourcenverbrauchs festzulegen oder auch  Vorschläge, wie das Thema Ressourcen in der Bildung verankert werden könnte, drohen daher nicht zum ersten Mal in den Davoser Bergen ungehört zu verhallen. Wäre schade eigentlich.

3 Antworten zu “Weck-Rufe aus den Schweizer Bergen – Das Weltressourcenforum in Davos”

  1. „We live in a full and unequal world“, sagt Maria Amelia Enriques, Ökonomin und regionale Politikerin aus Brasilien. „The world becomes more crowded yet“. Zuerst müssen wir die physische Grenze festlegen, d.h. den maximalen Ressourcenverbrauch, den die Erde noch verträgt. Dieser müsse fair auf alle Menschen verteilt werden. Je effizienter wir mit den Ressourcen umgehen, desto besser können wir Menschen damit leben. Aber ein effizientes System sei nicht automatisch fair. Preise und das Finanzsystem spielen dabei eine wesentliche Rolle. Bildung für Nachhaltigkeit sei dabei eine globale Aufgabe, bei deren Bewältigung alle Länder zusammen arbeiten sollten.

    • Eigentlich wäre es nicht so schwer mit der Vernunft einer Vornachhaltigkeit zu starten, wenn wir verstehen lernen dort zu beginnen wo wir leben. Ich lade alle Experten und Akteure dazu ein mit uns eine Modellregion auf die Schiene zu bringen, um zu zeigen, dass es möglich ist so eine Kreislaufwirtschaft zu realisieren. Das Thema muss endlich von der Theorie in die Praxis umgesetzt werden, dazu brauchen wir nicht auf Politik und Konzernmacht hoffen, dass die hier Änderungen herbeiführen. Hier sind alle Klima-, Ressourcen-, Nachhaltigkeitsexperten dazu aufgerufen ihre theoretischen Forderungen mit uns gemeinsam anhand einer Modellregion in Europa so zu realisieren, dass man erfahren und erkennen kann, dass eine funktionierende ökologische Kreislaufwirtschaft eine Alternative zu den derzeitigen Ressourcen und Umwelttrama sein kann. Wenn es im Kleinen nicht funktioniert, brauchen wir im Großen nicht darüber nachzudenken, denn hier wird die Bereitschaft zur Veränderung nur über Katastrophen möglich sein, da die persönliche Gier und der Machthunger mit keiner Vernunft und Werteform zu ändern ist.
      Beginnen wir mit einer Zelle und einer Region und tragen diese Erfahrung und Hoffnung erlebbar in die anderen Regionen der Welt. Zukünftige Kongresse und Tagungen, sollten über die praktischen positiven Erfahrungen berichten können, dazu sind wir sogenannten Experten aufgerufen. TUN wir es und TUN wir es entlich gemeinsam! Näheres unter http://www.ecoforma.co.at

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