13. November 2015  /// Gesellschaft Leben Umwelt

Weltdiabetestag: Time to get clean

Im Jahr 2010, also vor fünf Jahren, litten in der Europäischen Union 33 Millionen Menschen an Diabetes. In weniger als 20 Jahren werden es bereits 37 Millionen Menschen sein. Dies prognostiziert das BUND Hintergrundpapier, welches auf Grundlage des Reports „Review of the science linking chemical exposures to the human risk of obesity and diabetes“ der englischen Umweltorganisation ChemTrust im Jahr 2012 entstand.

Fettleibigkeit gilt allgemein als Risikofaktor für Diabetes. Die Hinweise mehren sich jedoch seit Jahren, dass auch die Belastung durch künstlich hergestellte Chemikalien selbst zu Diabetes führen kann. Seit 2006 hat dabei sowohl die Anzahl der Studien als auch deren Beweiskraft stark zugenommen.

Der epidemiologische Nachweis für einen Zusammenhang zwischen Chemikalienbelastung und Diabetes ist dabei sogar stärker als der zwischen Chemikalienbelastung und Fettleibigkeit, schreibt das BUND Paper.

Vor allem hormonell wirkende Stoffe stehen in Verdacht, mit der zunehmenden Häufigkeit von Übergewicht und Diabetes in Zusammenhang zu stehen.


Mögliche Kandidaten für Diabetes auslösende Umweltchemikalien

Das sind POPs, Arsen, Bisphenol A, Phthalat-Weichmacher, zinnorganische Verbindungen und bestimmte Pestizide.

Phthalate sind beispielsweise Stoffe, die in großem Umfang in Kunstoffen, Farben, Lacken und Klebstoffen zugesetzt sind. Eine Marktstudie 2013 von Ceresana_Research geht davon aus, dass die Chemieindustrie weltweit bis zum Jahr 2018 pro Jahr 7,6 Millionen Tonnen dieser Substanzen produzieren wird und der weltweite Umsatz bis zum Jahr 2020 auf über 19,5 Mrd. US$ ansteigen wird.

Laut dem Berliner Umweltbundesamt wurden im Vergleich dazu im Jahr 2007 in Westeuropa eine Million Tonnen Phthalate pro Jahr produziert.

Die Arzneimittelproduktion ist um nichts besser. Bis dato wurden keine gesetzlichen Grenzwerte festgelegt, um die Verschmutzung mit Pharmazeutika während der Herstellung, Verwendung und Entsorgung zu steuern.

Im Oktober 2015 beschloss daher das International Conference on Chemicals Management (ICCM) in Genf, Schweiz, dass es an der Zeit sei, aufzuräumen. „Time to get clean“ benannte das Magazin „nature“ am 8.10.2015 ihren Bericht dazu.

Eine kleine, aber signifikante Entwicklung in die richtige Richtung.

Studien zum Downloaden:

BUND Hintergrund-Studie „Dickmachende Weichmacher“

CHEM Trust Diabetes Report

Berliner Umweltbundesamt_- Phthalate

Ceresana_Research_-_Broschuere_Marktstudie_Weichmacher

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