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16. Oktober 2015  /// Umwelt Wirtschaft

Welternährungstag: Gärten für die Wüste

Anlässlich des heutigen Welternährungstags haben wir einen 27-jährigen Lehrer aus Äthiopien interviewt, der sich entschlossen hat, Aktivist für Bio-Landwirtschaft und Gartenbau zu werden. Asmelash Dagne hat es geschafft, in der Wüste Gartenbau und Landwirtschaft zu betreiben. Heute stattet er die nächsten Generationen mit dem Wissen und Können aus, welches sie brauchen, um sich auch in Zukunft zu ernähren.

Während ihrer Tätigkeit als Lehrer ist ihnen aufgefallen, dass immer weniger junge Leute Landwirte werden wollten. Können sie das näher erläutern?

Vor sieben Jahren war ich als Chemielehrer an einer höher bildenden Schule tätig. Ich versuchte den SchülerInnen Wissenschaft möglichst lebensnah und praktisch beizubringen. Mir sind mehrere Dinge aufgefallen. Die SchülerInnen hatten eine negative Einstellung gegenüber der Landwirtschaft, und außerdem gehörte die Gartenarbeit zu den Strafmaßnahmen, die von der Schule verhängt werden. Das war der Grund, warum die SchülerInnen der Landwirtschaft gegenüber so wenig wertschätzend waren. Das hat mich dazu bewegt, mit diesen jungen Menschen mehr im Garten zu arbeiten und an der Schule einen kleinen Bio-Garten anzulegen.

Sie haben sich inzwischen entschieden, Landwirt zu werden?

Ja, Landwirt und vor allem Aktivist für Bio-Landwirtschaft und Gartenbau.

Ich war sehr beeindruckt davon, dass sie es schaffen, in der Wüste Gartenbau zu betreiben. Wie machen sie das?

Die grundlegenden Techniken und Möglichkeiten haben wir schon von unseren Großeltern gelernt. Hinzu kommt aber auch noch die Permakultur. Diese Anbauweise fußt auf drei Grundsätzen: Denke an die Menschen, denke an die Erde und teile deinen Überschuss. Gehe sicher, dass die Lebensmittel, die du produzierst, auch für die Konsumenten gesund sind. Stelle sicher, dass die Erde gesund bleibt und der Boden lebendig ist. Und teile die Technologie, das Know-how, die Fertigkeiten und die Lebensmittel, die du produzierst, mit den Menschen und Tieren. Diese Prinzipien behalten wir auch in unseren Gärten im Hinterkopf.

Gartenbautechniken sind aber vermutlich auch wichtig, oder?

Sehr wichtig sogar. Man braucht eine ganze Reihe von Kompetenzen, bevor man anfangen kann, etwas zu tun. Bevor wir einen Garten anlegen, müssen wir unser Gehirn einsetzen. Wir müssen planen und gestalten. Wir werden nicht mit diesen Fähigkeiten geboren, wir lernen sie durch Übung und im Austausch mit anderen. Dieses Wissen und diese Fertigkeiten müssen wir auch an die nächsten Generationen weitergeben.

Sie haben mit einem Garten angefangen, und jetzt werden es immer mehr.

Genau. Wir haben mit einem Garten an der Schule, an der ich Lehrer war, angefangen. Gemeinsam mit den SchülerInnen. An der Schule haben wir dann eine Bewegung gegründet, die die drei eben erwähnten Grundsätze im Gartenbau und der Landwirtschaft ernst nimmt. Andere Schulen sind auf uns aufmerksam geworden und haben uns kopiert – und wurden ihrerseits wieder kopiert und so weiter. So ist das alles immer weiter gewachsen – ganz von selbst, wie eine stille Revolution. Der wichtigste Punkt ist: Wir statten die nächsten Generationen mit dem Wissen und Können aus, das wir brauchen, um uns auch in Zukunft zu ernähren.

Über Asmelash Dagnes (27)

Seine Heimat ist Äthiopien. Groß geworden in dem kleinen staubigen Gato, einer Siedlung, 550 km südlich von Addis Abeba, an der Straße von Arbamicn nach Konso gelegen. Er war Lehrer an der Deneba Grundschule, als der Permakultur Lehrer Tichafa Makovere nach Äthiopien kam und dort Kurse gab.

Zunächst legte er sehr erfolgreich an Schulen Gärten an. Inzwischen ist er verantwortlich für die Entwicklung der Gärten in einem sehr erfolgreichen landwirtschaftlichen Entwicklungsprojekt in Äthiopien. Gefördert von der kleinen deutschen Antonia Ruut Stiftung  hilft die noch junge NGO SMART Dörfern dabei, sich selbst zu versorgen.

Die Projekte beruhen auf drei Maßnahmen: Es wird eine Bohrung durchgeführt und eine solarstrombetriebene Pumpe betrieben, die sauberes Wasser für die Bevölkerung bereitstellt. Dieses Wassers wird für Sanitätshäuser genutzt, in denen die Bewohner waschen und duschen können. Das Brauchwassser wird für die Bewässerung von Gemüsegärten genutzt, die nach dem Permakulturprinzip geplant und bewirtschaftet werden, und das die Böden stetig verbessert. Es werden Komposttoiletten gebaut, die Dünger für die Landwirtschaft liefern.

Das Projekt ist so erfolgreich, dass immer mehr Dörfer nach dem gleichen Muster entwickelt werden. Es zeigt, dass es möglich ist, selbst auf den extrem trockenen Hochebenen Äthiopiens mit einer nachhaltigen und kleinbäuerlichen Landwirtschaft die Menschen gut zu ernähren.

Asmelash Dagnes war aus Äthiopien angereist um auf der SOLIKON 2015 in einem Workshop, der sich mit Urban Gardening und Urban Farming beschäftigte, über seine Arbeit zu berichten. N21 hat die Gelegenheit genutzt, ihn zu interviewen.

Weitere Infos:

www.slowfood.de/projekte_und_aktionen/10000_gaerten_in_afrika/

permaculturenews.org/2014/12/03/smart-permaculture-in-south-ethiopia/

www.ipcuk.events/article/learning

 

 

 

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