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27. Mai 2016  /// Gesellschaft Wirtschaft

Wir müssen Position beziehen

TRANSFORMING OUR WORLD – Gedanken zur UN “AGENDA 2030 for SUSTAINABLE DEVELOPMENT”

Präambel

Diese Agenda ist ein Aktionsplan für die Menschen, den Planeten und den Wohlstand. Sie will außerdem den universellen Frieden in größerer Freiheit festigen. Wir sind uns dessen bewusst, dass die Beseitigung der Armut in allen ihren Formen und Dimensionen, einschließlich der extremen Armut, die größte globale Herausforderung und eine unabdingbare Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung ist.

Alle Länder und alle Interessenträger werden diesen Plan in kooperativer Partnerschaft umsetzen. Wir sind entschlossen, die Menschheit von der Tyrannei der Armut und der Not zu befreien und unseren Planeten zu heilen und zu schützen. Wir sind entschlossen, die kühnen und transformativen Schritte zu unternehmen, die dringend notwendig sind, um die Welt auf den Pfad der Nachhaltigkeit und der Widerstandsfähigkeit zu bringen. Wir versprechen, auf dieser gemeinsamen Reise, die wir heute antreten, niemanden zurückzulassen.

Die heute von uns verkündeten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung und 169 Zielvorgaben zeigen, wie umfassend und ambitioniert diese neue universelle Agenda ist. Sie sollen auf den Millenniums-Entwicklungszielen aufbauen und vollenden, was diese nicht erreicht haben. Sie sind darauf gerichtet, die Menschenrechte für alle zu verwirklichen und Geschlechtergleichstellung und die Selbstbestimmung aller Frauen und Mädchen zu erreichen. Sie sind integriert und unteilbar und tragen in ausgewogener Weise den drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung Rechnung: der wirtschaftlichen, der sozialen und der ökologischen Dimension.

Die Ziele und Zielvorgaben werden in den nächsten fünfzehn Jahren den Anstoß zu Maßnahmen in den Bereichen geben, die für die Menschheit und ihren Planeten von entscheidender Bedeutung sind.

Menschen

Wir sind entschlossen, Armut und Hunger in allen ihren Formen und Dimensionen ein Ende zu setzen und sicherzustellen, dass alle Menschen ihr Potenzial in Würde und Gleichheit und in einer gesunden Umwelt voll entfalten können.

Planet

Wir sind entschlossen, den Planeten vor Schädigung zu schützen, unter anderem durch nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion, die nachhaltige Bewirtschaftung seiner natürlichen Ressourcen und umgehende Maßnahmen gegen den Klimawandel, damit die Erde die Bedürfnisse der heutigen und der kommenden Generationen decken kann.

Wohlstand

Wir sind entschlossen, dafür zu sorgen, dass alle Menschen ein von Wohlstand geprägtes und erfülltes Leben genießen können und dass sich der wirtschaftliche, soziale und technische Fortschritt in Harmonie mit der Natur vollzieht.

Frieden

Wir sind entschlossen, friedliche, gerechte und inklusive Gesellschaften zu fördern, die frei von Furcht und Gewalt sind. Ohne Frieden kann es keine nachhaltige Entwicklung geben und ohne nachhaltige Entwicklung keinen Frieden.

Partnerschaft

Wir sind entschlossen, die für die Umsetzung dieser Agenda benötigten Mittel durch eine mit neuem Leben erfüllte Globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung zu mobilisieren, die auf einem Geist verstärkter globaler Solidarität gründet, insbesondere auf die Bedürfnisse der Ärmsten und Schwächsten ausgerichtet ist und an der sich alle Länder, alle Interessenträger und alle Menschen beteiligen.

Die Querverbindungen zwischen den Zielen für nachhaltige Entwicklung und deren integrierter Charakter sind für die Erfüllung von Ziel und Zweck der neuen Agenda von ausschlaggebender Bedeutung. Wenn wir unsere Ambitionen in allen Bereichen der Agenda verwirklichen können, wird sich das Leben aller Menschen grundlegend verbessern und eine Transformation der Welt zum Besseren stattfinden.

 

Soweit der Text der Präambel zu den „Zielen für eine Nachhaltige Entwicklung“ –  erstellt von der UNO  infolge der Pariser Klimakonferenz im Dezember 2015 –  Ein Strategieplan gegen die größten Herausforderung an unsere Weltgemeinschaft.

Großartig, denk’ ich – und lese zufrieden im Vorwort zu einer diesbezüglichen Veranstaltung: «Die Sustainable Devlopment Goals (SDGs) wie sie im September 2015 von der UN Vollversammlung beschlossen wurden, weisen den Weg sie zu meistern. Wir gehen auf die Dimensionen der Herausforderungen und Wege zur Ziel-Erreichung ein.»

Aber heute, ein halbes Jahr später, frage ich mich mit Stefan Schleicher: «Läuft Österreich Gefahr, seine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz zu verlieren?» Wollen wir eine gemeinsame Lösung, dann wird uns nichts anderes übrig bleiben als eine Reform des Europäischen Modells. Dazu bedarf es aber eines starken Lösungsansatzes.

Tja, was ist aus dem großen Nachhaltigkeitsprojekt geworden? Wo bleibt die entsprechende Politik ?

Aus meinem Idealismus heraus bin ich überzeugte Anhängerin der Prinzipien einer Nachhaltigen Entwicklung“, wie die AGENDA 2030 zu den Sustainable Devlopment Goals sie beschreibt. Aber es irritiert mich zunehmend, dass die öffentlichen Debatten darum sehr oft  nicht in Erkenntnis der ihr angemessenen Widersprüchlichkeit geführt werden. Ich meine jene Widersprüche, die der kapitalistischen Wirtschaft grundsätzlich innewohnen: Widersprüche zwischen dem ökonomischen System und den Bedingungen, die dieses überhaupt erst ermöglichen – Widersprüche, die zwischen Wirtschaft und Umwelt, Wirtschaft und Gemeinwesen herrschen. Soziale Kämpfe heute, sind das nicht Grenzkämpfe um Ökologie, gesellschaftliche Reproduktion und politische Macht?!

Der bekannte Schriftsteller Ilija Trojanow bringt es in seinem Essay “Der überflüssige Mensch”  auf den Punkt. Er meint, wer nicht produziert und konsumiert ist überflüssig – so die mörderische Logik des Spätkapitalismus – und er schreibt, es gäbe immer mehr Menschen, die (gerne) glauben, die Überbevölkerung trage Schuld an der beklagten Ressourcenknappheit und der daraus entstandenen globalen Misere – aber, so fragt er, ist das denn wirklich so? Ginge es tatsächlich um ökologische Prioritäten, müsste man nicht die Überflüssigen zuallererst unter den Superreichen ausfindig machen, von denen jeder Einzelne etwa so viel wie eine afrikanische Kleinstadt verbraucht? Und er folgert daraus: „Würden wir die Position einnehmen – logisch und konsequent – dass die Ressourcen begrenzt sind und das Wachstum gegen die Decke stoßen wird, dann folgt wohl daraus, dass wir unseren Wohlstand reduzieren müssen, um den anderen wenigstens das Recht auf Nahrung und ein würdevolles Leben zu garantieren. Jede andere Haltung impliziert, dass es wertvolles und unwertes Leben gibt.“

Wir müssen Position beziehen

Als engagierte Bürgerin, Mutter und Großmutter von Kindern und Enkelkindern, nehme ich diese ‚unbequeme‘ Position ein – und vermutlich mit mir noch viele andere Menschen, die sich auch fragen, wie diese Problematik wohl zu lösen wäre.

Zunehmend hab‘ ich mich in den letzten Jahren mit dem Klimawandel, seinen Ursachen und seinen energiewirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen beschäftigt. Ich habe das bürgerliche Engagement vieler Menschen, einen Wandel herbeizuführen, bewundert. Ich kann aber nicht mehr glauben, dass es allein aufgrund technischer Lösungen gelingen wird, sondern dass ein „Grünes Wachstum“ – oder besser eine „Grüne Entwicklung“ – stark von sozial-ökologischen und ökonomischen Rahmenbedingungen abhängen wird.

Es gab und gibt Wissenschafter, die mich darin bestätigten, wie etwa der leider verstorbene Prof. H. P. Aubauer, der mich mit seiner Theorie einer Natur-Ressourcenzuteilung per capita  vor Jahren (anlässlich einer Veranstaltung zur Präsentation einer Ökosozialen Marktwirtschaft für einen Global Marshall Plan) in Erstaunen versetzte, Harald Welzer, der unermüdlich Wege aus der Wachstumsgesellschaft in eine der Nachhaltigen Entwicklung weist und last but not least Christian Felber, der sich der realen Vision einer von Gemeinwohl getragenen Wirtschaft widmet, in der wir uns wieder mehr als Menschen fühlen könnten, die ihr Glück in gelingenden Beziehungen, Menschenwürde, Mitbestimmung und NACHHALTIGKEIT sehen.

Im Laufe der letzten Jahre hatte ich das Glück auf Menschen zu stoßen, die sich mit diesen Fragen intensiv beschäftigen und jetzt – wie ich meine – einen realisierbaren Lösungsansatz gefunden haben. Es hat sich ein Team gebildet, das mutig den Beweis antreten will, dass es nicht an Instrumenten fehlt, die Illusion eines notwendigen Wandels zu realisieren, sondern oft am Glauben daran, dass es möglich ist, manchmal an Wissen, aber vorwiegend an Willen.

Dieses mutige Team nennt sich „FairNawi“ – Fair und Naturangepasst Wirtschaften.

Geplant ist die baldige Umsetzung eines ökonomischen Pilotprojekts in einer spezifischen Region, um Menschen – so hoffen wir – zur Einsicht verhelfen zu können, dass es sehr wohl Alternativen gibt.

In diesem, von mir favorisierten Konzept, einen gewünschten Wandel herbeizuführen, werden vorrangig die Faktoren „Arbeit und Natur“ als alternativer Lösungsansatz gegen die gegenwärtige System-Krise herangezogen. Fokussiert wird das Problem der Knappheit dieser Ressourcen. Ein instrumentelles Regelwerk soll sowohl den individuellen als auch den gesellschaftlichen Zugang zu diesen öffnen. Dies kann sowohl für den mittelständisch unternehmerisch tätigen, als auch für den konsumierenden Menschen wichtig sein.

FairNawi versucht den Klein- und Mittel-Betrieben in einer spezifischen Region, neue kooperative Handlungsmöglichkeiten und bessere Wirtschafts- und Lebensbedingungen zu ermöglichen. Regionalpolitisch könnte damit – im Sinne der Erfordernisse von nachhaltigem Wirtschaften – eine globalsolidarische, schrittweise Angleichung der Ressourcennutzung pro Kopf, die als Rahmen damit erstmals den ebenfalls schon lange angeprangerten Verlust an lebenswichtigen bioproduktiven Flächen und einen ausgewogen Umgang mit Biomasse im Sinne des ‚ökologischen Fußabdrucks’ fokussiert, erzielt werden. Dies würde massiv auch die Bemühungen unterstützen, die vom Menschen verursachten Auswirkungen auf den Klimawandel zu reduzieren. Es könnte neue Sicherheit für regionale KMU-Betriebe bedeuten und insgesamt stabilere Wirtschaftsverhältnisse schaffen. Fairness und gesellschaftliche Verbundenheit bergen ein riesiges Potential für die zukünftige gesellschaftliche Entwicklung. Alle Menschen hätten so auf diese innovative Weise – über die Option einer komplementären Währung in Stunden und eines darauf basierenden Grundeinkommens – konkret etwas anzubieten und könnten folglich beitragen, den Wirtschaftskreislauf gezielt zu beleben.

Diese komplexe Aufgabenstellung bzw. die daraus zu erwartenden Ergebnisse würden mithilfe des dreifach wirksamen Instruments (wirtschaftlich, sozial und ökologisch – wie vom FairNawi-Team vorgesehen) rahmengebend erst ermöglicht. Die Region würde mithilfe dieses Instruments makrowirtschaftlich anschlussfähig, weil regionalwirtschaftlich gestärkt, ihre volle Zukunftsfähigkeit entfalten können. Wenn im Laufe der praktischen Umsetzung positive Effekte kurzfristig vielleicht nicht so rasch im großen Ausmaß festzustellen sein werden, so sind diese mittelfristig ganz sicher zu erwarten, sowohl auf geschäftlicher als auch auf gesellschaftlicher Ebene

Ka Geld – aber Zeit‘ – Genossenschaft

Regional soll ein Gesellschaftsvertrag über ein „Grundeinkommen im komplementären Währungssystem (Zeitwährung)“ erarbeitet und im demokratischen Sinn festgelegt werden. Die ansonsten bei anderen Währungen häufig diskutierten Finanzierungsfragen wären hier kein Thema und somit eher zu lösen. Das Grundeinkommen soll für die regionale Wirtschaft im Bereich der Grundversorgung zunächst auf elementare Güter bezogen sein, könnte dann kontinuierlich auch auf luxuriösere erweitert werden. Es würde dies die Akzeptanz der geplanten ökologischen Bonus-Malus-Regelung fördern und hätte, nicht zuletzt, auch eine starke gesellschaftspolitisch-ethische Bedeutung (Menschenrechte/-würde = Sozialkapital).

Wie empirisch zu beobachten, haben sich die Menschen in Krisenzeiten nahezu immer anderen Finanzierungs- bzw. Bedürfnisdeckungsformen zugewandt. Die Funktion von Komplementärwährungen setzte dabei monetären Anreiz – dies erscheint insbesondere hier und jetzt wichtig. Es wird daher auf eine positive, regionale Akzeptanz der beabsichtigten Einführung dieses dreifach wirksamen Instruments gesetzt. Erst dadurch könnte ein Großteil der überdurchschnittlich Konsumierenden ihren ökologischen Malus ‚kompensieren‘ und sich somit diesem System eher vorbehaltlos anschließen wollen. Es ist jedenfalls wachsendes Konsumbewusstsein im Sinne nachhaltiger Entwicklung zu erwarten, und folglich auch die wachsende Erkenntnis, dass sorgsamer Umgang mit den natürlichen Ressourcen sich ‚lohnt’ (Bonus) und – somit ein bedingungsloses Grundeinkommen sehr wohl auch nachhaltig wirken könnte.

Weiter Infos werden in einer dafür speziell eingerichteten Website folgen.

Zuschriften können in der Zwischenzeit an die Mitglieder des FairNawi-Teams gerichtet werden unter:

FLi/zfs, Technisches Büro Landschaftsökologie – interdisziplinär / Zukunftsforum Systemwandel, http://www.fli.at, Kontakt: Harald J. Orthaber (h.orthaber@fli.at)

SonnenZeit – Regionalgruppe Wien, Währungs- u. Handelsinitiative, http://www.sonnenzeit.jetzt, Kontakt: Sabine und Harald Kaiser (sonnenzeit-wien@netswerk.at)

ERDpapiere – Initiative, http://www.Erdpapiere.org, Kontakt: Gudrun Zecha (gudrun@erdpapiere.org)

SERI – Sustainable Europe Research Institute, http://www.seri.at, Kontakt: Fritz Hinterberger (fritz.hinterberger@seri.at)

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