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20. September 2015  /// Bewegung Gesellschaft Ressourcen

Making of N21: Wir werben für uns und die Nachhaltigkeit

Wir verstehen N21 als Dienst an der Nachhaltigkeitsbewegung. Viele von uns, die seit Jahren und Jahrzehnten an Projekten zur Nachhaltigkeit arbeiten, beklagen, dass in den traditionellen Medien viel zu wenig über die Themen geschrieben wird, die wir für so wichtig halten. Mit N21 möchten wir eine Brücke schaffen, von solchen Projekten zur Öffentlichkeit – zu Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser!

Die WearFair in Linz ist ein Hot-Spot der Nachhaltigkeitsbewegung in Österreich und N21 ist als Medienpartner mit einem Stand vertreten – gleich neben den Oberösterreichischen Nachrichten. Deutsche Aussteller versicherten uns übrigens, dass es in Deutschland, gemessen an der großen Zahl der BesucherInnen aus allen Bevölkerungsschichten, nichts Vergleichbares gibt. Höchstens in Berlin.

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Wirklich spannend ist für mich, was unsere Kollegin Anna Holl, die schon vor einem Monat nach Bangladesch gefahren ist, direkt aus dem Land, aus dem viele  Textilien zu uns kommen, berichtet.

(Wir) Nachhaltigkeitsforscher weisen gerne darauf hin, dass Mode und Kleidung bei weitem nicht das wichtigste ist, wenn es darum geht, unseren ökologischen Rucksack zu verringern. Die großen Brocken sind immer noch, wie wir wohnen, wie wir essen und uns im Raum bewegen: Wohnen, Ernährung und Mobilität. Aber immerhin: Allein die Baumwolle, die zu einem Hemd oder T-Shirt verarbeitet wird, verursacht den Verbrauch abiotischer Ressourcen von 2 Kilogramm – vor allem Kohle, wenn diese Baumwolle aus China kommt. Da diese Kohle nicht einfach auf der Erdoberfläche herumliegt, sondern mit großem Aufwand aus der Erde geholt wird, und unter Berücksichtigung all der anderen Ressourcen, die dafür nötig sind, beträgt der ökologische Rucksack eines T-Shirts (also alles, was an Natur bewegt wird, bevor wir es zum ersten Mal anziehen) 10-20 kg. Und obendrauf kommen sage und schreibe mehr als 1000 Liter Wasser!!!

Der Aralsee in Zentralasien, an dessen Ufern ein großer Teil der Baumwolle angebaut wird, die die Welt bekleidet, hatte vor 50 Jahren in etwa die Größe (und auch ungefähr die Form) Österreichs, ohne Vorarlberg und Tirol: 70.000 Quadratkilometer. Heute ist er auf ein Fünftel dieser Fläche geschrumpft und das Wasservolumen beträgt nur noch ein Zehntel des ursprünglichen Volumens. Bei zig Hemden, T-Shirts und Hosen in meinem Schrank kommt da schon einiges zusammen. Schätzungsweise eine Tonne an Ressourcen und ein Schwimmbad voll Wasser. Das wird so wohl nicht lange gut gehen. Die BesucherInnenumfrage, die wir auf der WearFair machen,  beweist übrigens, dass die meisten OberösterreicherInnen das auch so sehen.
Ökologisch nachhaltig wären 5-10 Tonnen pro Jahr für alles: Wohnen, Ernährung, Mobilität, Klamotten, Kommunikation, Spiel und Spaß.
Da muss der Spaß nicht aufhören, er wird sich aber ändern.

Angesichts eines Importpreises im Discountsegment von unter 3 Euro, von denen dann 18 ct. bei den Näherinnen bleiben, sind diese ökologischen Rucksäcke ein gefährlicher Skandal. Und unfair sowieso. Wie kommen wir eigentlich dazu, uns auf Kosten der Bangladeschis reich zu machen und uns dann über “Wirtschaftsfüchtlinge” zu mokieren, die dort angesichts der Zustände, wie sie Anna in Dakha beschreibt, nichts mehr hält?

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Im Hof der Tabakfabrik zeigt man ganz klar, was man von Freihandelsabkommen wie TTIP hält. (Foto: fhi)

Die WearFair selbst ist ein beeindruckendes Event. Eine Messe für (in erster Linie) Mode aus fairer und ökologisch bewusster Produktion. Sie zeigt, dass es auch anders geht. Dass T-Shirts auch bei uns produziert werden können (und damit Arbeitsplätze schaffen). Sie ist aber auch ein Treffpunkt für die vielen ökologischen, sozialen und für mehr Demokratie tätigen Initiativen von Amnesty International über Global 2000, Aktionen gegen TTIP, Mehr Demokratie! und SOL bis SÜDWIND.

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Die Siegerin des Bewerbs „Fesch am Rad“. (Foto: fhi)

Der grüne Frontmann Rudi Anschober verkocht Reste und die “Radlobby” prämiert das schönste Outfit für Radler: “Fesch am Rad” heißt die Aktion. Es gibt Podiumsdiskussionen zum europäischen Jahr der Entwicklung oder zum “Posteinfamilienhaus” (organisiert von der Grünen Wirtschaft! Die trauen sich was). Die Anwesenheit grüner “Promis” ist dann auch der einzige Hinweis auf den draußen um ganz andere Themen tobenden Wahlkampf.  Das Heimspiel der Grünen wird in einem vollen Stadion, aber ohne Gegner ausgetragen.

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Rudi Anschober kochte wortwörtlich aus dem Abfallcontainer. (Foto: fhi)

Auch wir fühlen uns zu Hause – hier gehören wir hin, um das, was hier passiert, in eine breite Öffentlichkeit zu tragen. Unser Wunsch ist es, auch die zu erreichen, die (noch) nicht ins Stadion der österreichischen Nachhaltigkeitsbewegung kommen.

 

Aus dem Leben eines Nachhaltigkeitsjournalisten

Walter MathesZwei Jahre haben Christine Ax und ich darüber nachgedacht, geschrieben und gesprochen, so etwas zu machen. Jetzt endlich ist es so weit. N21 hat Anfang des Sommers das Licht der Welt erblickt und erscheint seither täglich neu. Seit zwei Monaten sind wir online, haben über 130 Beiträge veröffentlicht, das sind im Durchschnitt ca. zwei pro Tag. Inklusive Wochenende.

Apropos Wochenende. Vielleicht war es insofern keine gute Idee, Ende Juni zu beginnen, als viele Menschen in Urlaub sind, wir selber aber auf unseren Urlaub verzichtet haben, um dieses neue, große Projekt zu starten. Vielleicht aber doch. Denn es waren ausgesprochen spannende Wochen. Mit diesem Blog möchten wir unsere LeserInnen ein wenig teilhaben lassen an dem, wie wir unsere täglichen Beiträge produzieren.

20 AutorInnen aus Deutschland und Österreich, aber auch aus Griechenland und den Niederlanden haben bisher Artikel verfasst. Viele weitere stehen in den Startlöchern. Jeden Montag treffen wir uns zu einer Redaktionskonferenz – vor Ort in Wien und via Skype, bei der wir auch sehr grundsätzlich über die Weiterentwicklung des Projekts reden.

Ein Kernteam mit Christine Ax, Evelyne Huber, Christina Buczko und Christian Hinterberger kümmert sich täglich um die Umsetzung, den Redaktionsplan,aber auch das Marketing und alles andere, das nötig ist, um N21 an die LeserIn zu bringen, Social Media inbegriffen.

10 x 5000€ für N21

Nachdem wir einen Sommer lang sehr engagiert gearbeitet haben, müssen wir nun zeigen, dass sich N21 auch wirtschaftlich „rechnet“. Wir erhielten viele positive Zuschriften und konnten auch schon erste zahlende AbonnentInnen gewinnen, obwohl wir im Moment noch alle Inhalte kostenlos anbieten. In diesem Herbst wird sich zeigen, ob N21 erfolgreich durchstarten kann. Wir sind davon überzeugt. Fraglich ist nur, in welchem Zeitraum: Zwei Jahre Vorbereitung, das Team zusammen zu stellen, die Website und einen stabilen Workflow aufzusetzen, Grafik und Inhalt hat uns einiges an Geld gekostet, auch wenn die meisten AutorInnen bisher auf ein Honorar verzichtet haben. Ab Herbst wollen wir aber alle AutorInnen fair bezahlen. Mehr als 50.000€ Anfangsinvestitionen kamen bisher zusammen. Dafür brauchen wir bis Jahresende mindestens 1000 AbonnentInnen.

Und weil Zeit Geld ist, suchen wir außerdem Menschen, die diese Anfangsinvestitionen mit einer Finanzspritze unterstützen. Die grundlegende und direkteste Möglichkeit, das zu tun, ist, jetzt schon, ein kostenpflichtiges Abo zu bestellen und andere davon zu überzeugen, es auch zu tun. Ein normales Abo kostet 21 ct/Tag, also 77€ pro Jahr, ein Förderabo 350€. Natürlich werden auch darüber hinausgehende Spenden gerne entgegen genommen. Und wir suchen zehn Menschen, die uns das für N21 nötige Anfangskapitel zur Verfügung stellen – verzinst und rückzahlbar. 10×5.000€ sind 50.000€. 3% in Geld – oder fünf Jahresabos für FreundInnen oder alle, denen Sie N21 ans Herz legen wollen, was einer Verzinsung von etwa 7% entspricht. Für genauere Informationen stehen wir gerne auch persönlich zur Verfügung!

Ein Sommerfrischerl

wikimedia.org

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Wie gesagt, viel Urlaub war diesen Sommer nicht. Am vergangenen Wochenende habe ich mir dann aber doch noch zwei Tage in meinem geliebten Salzkammergut gegönnt. Ein Sommerfrischerl sozusagen. Gerade das Richtige für die letzte der fünf Hitzewellen, die Wien in diesem Sommer heimgesucht haben.

Zur Einstimmung hab ich schon im Zug „Letzter Applaus“, den neuesten im Ausseerland,-Krimi von Herbert Dutzler angefangen. Und: Überraschung. Er beginnt als Beitrag zu unserem „Textilschwerpunkt“: „Auf diesen Einsatz hätte Gasperlmaier gern vergessen. … Es war wegen dem Trachtenparadies. … Das Trachtenparadies war nämlich kein alteingesessenes Geschäft, sondern eine Filiale einer Textilkette, die sich bereits über fast ganz Österreich und Bayern verbreitet hatte und Billigtrachten unklarer Herkunft verkaufte. Gemunkelt wurde sogar, dass die angebotene wäre in Indien und Bangladesch gefertigt wurde. Aus billigem Ziegenleder sollten die Lederhosen sein, hörte man.“

Aber sehr weit bin ich noch nicht gekommen, wenn die lieb gewordenen Urlaubsverrichtungen in zwei Tagen Platz finden müssen: Kauf und Lektüre der „Alpenpost“ , Besuch in dem mehr als gut sortierten Bad Ausseer Buchladen mit zwei Entdeckungen, die mir in Wien nicht aufgefallen sind („Im Meer schwimmen Krokodile“, die wahre Geschichte eines als Kind auf die Schlepper-Route von Afghanistan nach Italien geschickten 10-jährigen Jungen, und Uwe Radas Kulturgeschichte „Die Adria. Die Wiederentdeckung eines Sehnsuchtsortes“), die dann gleich bei einem Eiskaffee in der Kurkonditorei „Lewandowski“ angelesen werden mussten. Besprechungen folgen vielleicht bald auf N21.

Das Salzkammergut ist wirklich ein intellektuell-kreativer Kraft-Ort. Aber dann widmet man sich doch den Dingen, die auch die große Sommerfrische so schön machen: eine Wanderung um den Altausseer See zur Seewiese, um – begleitet von der Grundlseer Geigenmusi“ einen geräucherten Saibling nebst Apfel-Heidelbeerstrudel und einen Sommerspritzer zu sich zu nehmen, schwimmen zu allen Tages- und Nachtzeiten (Vollmond!). Schee woar’s. Und so vergnüglich, dass ich nicht einmal auf den Auslöser meines Fotoapparats gedrückt habe, weswegen das Foto in diesem Beitrag von Wikimedia kommt. Danke, Crowd!

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