22. November 2015  /// Klima Meinung

Zwischen Klima-Show und wirklichem Handeln

Das globale Treffen auf Staatenebene in Sachen Klimaschutz steht bevor. Wieder mal. Alle Jahre wieder. Seit dem Treffen in Kopenhagen im Dezember 2009, in das große Hoffnungen gesetzt wurden, die dann bitter enttäuscht wurden, scheint es immer das gleiche Spiel: Manche Industrieländer, allen voran die USA, wollen kein global gültiges Klimaschutzabkommen, manche so genannte Entwicklungs- bzw. Schwellenländer, allen voran China, eigentlich auch nicht, weil sie ihr Wirtschaftswachstum gefährdet sehen.

COP21 in Paris: Kommt das Nachfolgeabkommen für Kyoto?

Dabei geht es bei der so genannten „Vertragsstaatenkonferenz“ (COP21) in Paris diesmal um etwas Wesentliches, nämlich um ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll, das 2012 offiziell ausgelaufen ist und bisher das einzige global verbindliche Abkommen zum Klimaschutz war. Zwar gibt es Zeichen, dass einige Staatenlenker Klimaschutz wieder ernster nehmen als in den vergangenen Jahren (allen voran hat sich US-Präsident Barack Obama 2015 glaubwürdig zu mehr Klimaschutz bekannt und der lange umkämpften Pipeline Keystone XL zwischen den USA und Kanada Anfang November eine Absage erteilt), doch Grund zur Skepsis bleibt.

Dazwischen stehen die ärmsten Entwicklungsländer, die die unmittelbaren Auswirkungen der globalen Erwärmung auf ihr Staatsgebiet und Ihre BürgerInnen schon sehen, die Wissenschaftler und die Zivilgesellschaft, die alle seit Jahren wiederholt zum Handeln mahnen.

Kein Grund zur Depression!

Man sollte sich von den immer wieder scheiternden Verhandlungen auf Staatenebene jedoch nicht täuschen lassen: Abseits der alljährlichen Klima-Show geschieht weltweit schon viel, sowohl in Sachen Klimaschutz (Emissionsvermeidung) als auch in Sachen Anpassung an wärmere klimatische Bedingungen. Gemeinden, Städte, Regionen, Bundesstaaten oder -länder warten nämlich nicht auf internationale Abkommen, bevor sie handeln. Regional und lokal wird auf dezentrale Energieversorgung durch kleine erneuerbare Energieträger gesetzt, um Emissionen zu vermeiden, Industrien erhalten sowohl Vorgaben als auch Anreize zum ressourcen- und klimaschonenden Wirtschaften, Städte setzen auf mehr Grün im innerstädtischen Bereich und auf Biolandwirtschaft. Das sind nur einige Beispiele.

Systemwandel statt Klimawandel gefordert

Es wird immer deutlicher, dass unser Wirtschaftssystem bzw. das Denken in seinen Kategorien einer Einigung auf Staatenebene entgegensteht. Die weltweite Jagd des „immer mehr und immer schneller“, die landläufig als „Wirtschaftswachstum“ verstanden wird, schadet Mensch und Umwelt. Das ist nichts Neues. Es ist erstaunlich, dass der Zusammenhang mit dem Klimawandel erst so spät erkannt wurde.

2014 veröffentliche die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein ihr Buch „This changes everything“, auf Deutsch mit dem Titel „Die Entscheidung“ erschienen. Darin legt sie das kapitalistische Wirtschaftssystem als wesentlichen Grund für den Klimawandel dar. Dieser sei inzwischen so deutlich wahrnehmbar, dass er die Schädlichkeit des herrschenden wirtschaftlichen Paradigmas offenkundig mache und Änderungen erzwinge. Insofern „ändere der Klimawandel alles“.

Tag der globalen Zivilgesellschaft

In Österreich haben Nicht-Regierungsorganisationen wie Attac, Finance and Trade Watch, FIAN oder auch die Dreikönigsaktion ein Positionspapier mit dem Titel „System change not climate change!“ präsentiert. Am 29. November findet in Wien ein großer Klimaaktionstag mit Straßenfest vor dem Parlament statt. Und nicht nur in Wien: Der große Demonstrationszug der NGOs in Paris wurde zwar aus Angst vor Terror verboten, doch am 29. November 2015 soll die globale Zivilgesellschaft ihrer Besorgnis wegen der Folgen des Klimawandels generell Ausdruck verleihen. In Form von vielen, vielen Veranstaltungen weltweit.

Links:

3 Antworten zu “Zwischen Klima-Show und wirklichem Handeln”

  1. Lieber Herr Kruse. Sie haben in der Sache Recht. Die Massentierhaltung als Ursache für den Klimawandel wird unterschätzt und nicht oft genug thematisiert. Wir haben heute ein Interview mit Vandana Shiva gepostet, in dem das aber genau zum Thema gemacht wird. Der Fleischkonsum spielt in der Tat eine große Rolle. Heute habe ich noch etwas dazugelernt: Auch große Staudammprojekte leisten einen Beitrag: Die Biomasse, die von Wasser bedeckt wird, verfault und setzt in großem Umfang Methan frei.

  2. Offener Brief an
    Deutsche Umwelthilfe

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Sie haben gerade Klagen gegen Städte zu den Dieselabgasen gestartet:
    Dieselabgase: Deutsche Umwelthilfe startet bisher größte Klagewelle für „Saubere Luft in Deutschland“
    http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=3675

    Leider versäumen Sie es -wie anscheinend auch die großen Umweltverbände-, auf die bedeutende Rolle der industriellen Landwirtschaft mit ihrer Massentierhaltung
    für die Klimakatastrophe und die schleichende Vergiftung unserer Umwelt ausdücklich hinzuweisen. Besonders im Hinblick auf die geplante UN-Klimakonferenz
    in Paris ist das geradezu kontraproduktiv: ohne eine radikale Agrarwende und eine drastische Reduktion des Fleisch- und Milchkonsums
    ist ein ausreichender Klimaschutz und erst recht ein Schutz der Tier- und Pflanzenarten nicht möglich!

    Denn Ammoniak gelangt durch Düngung und vor allem aber durch die Tiermast in die Umwelt. Dort bildet es Feinstaub, gefährdet das Trinkwasser und erzeugt klimaschädliche Gase. Siehe:
    https://l.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fwww.ndr.de%2Fnachrichten%2FAmmoniak-Belastung-staerker-als-angenommen%2Cammoniak120.html&h=QAQEtj2-w

    So heißt es in einem Schreiben an EU-Kommissar Cañete:
    „Sehr geehrter Kommissar Cañete,
    die weltweite Produktion von Fleisch, Milch und Eiern verursacht laut FAO 14,5 % aller Treibhausgasemissionen und damit in etwa so viel wie der globale Verkehr. Bislang wurde es versäumt, dieses enorm wichtige Thema auf die Tagesordnung der UN-Klimakonferenz zu setzen. Ich fordere Sie hiermit auf, dies nachzuholen und sich für das Ziel einzusetzen, sowohl den Konsum als auch die Produktion von Tierprodukten in den Industrieländern bis 2030 mindestens zu halbieren.“
    https://albert-schweitzer-stiftung.de/helfen/petitionen/klimakiller-massentierhaltung#utm_source=nl15-44&utm_medium=email&utm_campaign=w-nl

    Wir bitten Sie, die völlig einseitige Kampagne gegen die Städte (die Hauptverantwortlichen sitzen in den Ministerien, in den Behörden bzw. Konzernen und Banken!)
    abzuändern und zu einer dem Klima- und Ressourcenschutz dienlichen Kampagne zu machen. Die schlimmen Fehlentwicklungen der globalisierten, industriellen und
    chemiegestützten Landwirtschaft dürfen nicht länger unangetastet bleiben. Auch gegen die Verantwortlichen für diese Entwicklung (bis hin zu den Behörden und Politikern,
    die vor Ort einen Tierstall nach dem anderen genehmigen für eine profit- und exportorientierte Landwirtschaft) müssen endlich Klagen eingereicht werden.

    Mit freundlichen Grüßen

    Arbeitskreis Heckenschutz
    http://www.hecke.wg.vu
    Jürgen Kruse
    Niehuskamp 3
    48739 Legden
    T: 02566-9709087
    21.11.2015
    —————————————————————–
    Siehe auch:
    http://www.robinwood.de/Newsdetails.13+M5d7e134119b.0.html

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