15. April 2016  /// Gesellschaft Schwerpunkt Ernährung

Essen, Freundschaft und Erholung in Gemeinschaftsgärten

Gemeinschaftsgärten können positive Auswirkungen auf persönliches Wohlbefinden und Lebensqualität, aber auch sozialen Zusammenhalt oder ökologische Bodenrückgewinnung haben. Florian Leregger hat sich damit auseinandergesetzt.

Es scheint so, als ob immer mehr Menschen das „Gartl’n“ für sich entdecken. Studierende und Pensionist/innen lassen Jungpflanzen sprießen, Mütter mit ihren Kindern bringen Kräuter zum Wachsen und auch Geschäftsführer/innen kann man beim Pikieren des Gemüses beobachten. Gebe ich „Gemeinschaftsgarten“ in einer uns bekannten Suchmaschine ein, erscheinen mir in 0,5 Sekunden rund 379.000 Ergebnisse. Das zeugt von Interesse am Thema. Seit vielen Jahren wachsen gemeinschaftlich orientierte Gartenprojekte in Österreich und gedeihen offenbar besonders in Städten prächtig.

So entfalten sich alleine in Wien über 40 Gemeinschaftsgärten und auch in Linz, Graz oder Innsbruck blühen sie. Neben selbst angebautem Obst, Gemüse und Kräutern stehen oftmals soziale Kontakte sowie die positive Erholungs- und Gesundheitswirkung im Mittelpunkt der zahlreichen Ausprägungsformen von Gemeinschaftsgärten. Eines verbindet diese Gärtnerinnen und Gärtner in interkulturellen Gärten, Nachbarschaftsgärten, mobilen Gärten, Lerngärten oder Selbsterntegärten in der Regel: Sie steigern ihre individuell empfundene Lebensqualität.

Positive Effekte von gemeinschaftlichem Gärtnern

Zahlreiche Wissenschafter/innen und Forscher/innen, Journalist/innen, Stadt- und Regionalentwickler/innen, die engagierten Gärtner/innen selbst und andere sprechen bereits lange davon. Die wissenschaftliche Literatur durchforstend, sind zahlreiche positive Effekte von gemeinschaftlichem Gärtnern zu erkennen. Eine von vielen Unterscheidungen ist die Betrachtung auf emotional-psychischer, kognitiver, sozialer und körperlicher Ebene. Im Sinne des Nachhaltigkeitsdreiecks sind aber auch zahlreiche positive ökologische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen von Gemeinschaftsgärten festzuhalten.

Gärtnern erhöht Wohlbefinden und Lebensqualität

Gärtnern in der Gemeinschaft bietet in der Regel einen guten Ausgleich zum Alltag, führt zur Stressreduktion, Erholung und Entspannung, wirkt belebend, hilft aber auch zur Ruhe zu kommen und fördert Naturverbundenheit, geistige Gesundheit und Selbstsicherheit. Für viele Personen gilt es als sinnstiftendes Freizeitverhalten (alle emotional-psychisch). Regelmäßige Gartenarbeit hat aber auch einen positiven Einfluss auf unsere Lern- und Konzentrationsfähigkeit, fördert die Fähigkeiten Probleme zu lösen und lässt uns unsere Kreativität und die Liebe zum Detail entdecken (alle kognitiv). Gärtnern führt – sofern nicht übertrieben und „falsch“ praktiziert – in vielen Fällen zu positiven körperlichen Effekten. Dazu zählen etwa die Aufrechterhaltung bzw. Entwicklung motorischer Fähigkeiten, Senkung des Blutdrucks, Normalisierung des Herzschlags, Muskelentspannung sowie Steigerung der Ausdauer. Ebenso führen selbstangebaute Nahrungsmittel (sofern nicht schadstoffbelastet und verunreinigt) bei vielen Gärtnerinnen und Gärtnern zu einer verbesserten Ernährung mit frischen und vollwertigen Lebensmitteln (alle körperlich). Im Umgang mit der Gemeinschaft werden soziale Kontakte, kollektive Bildung, Integration sozial und wirtschaftlich benachteiligter Menschen, Gesellschaftskohäsion und Durchbruch sozialer Segregation und Anonymität gefördert. Das Sozialkapital wird gesteigert und viele der aktiven Personen freuen sich über die Freundschaften innerhalb der Gärten. Darüber hinaus tragen Gemeinschaftsgärten aufgrund regelmäßiger Anwesenheit von Personen in einigen Stadtquartieren zur Verminderung der Kriminalitätsrate bei (alle sozial).

Gemeinschaftsgärten bieten zahlreiche Vorteile

Gemeinschaftsgärten können aufgrund zahlreicher ökologischer (z.B. biologisch produzierte Nahrungsmittel, Rückgewinnung der Bodenfunktionen, Erhöhung der Biodiversität, Senkung der Temperatur durch Grünflächen), gesellschaftlicher (z.B. Wissensgenerierung, Erhöhung der Gesundheit, Erholung und sozialen Kontakte) und wirtschaftlicher (z.B. finanzielle Ersparnisse durch Eigenversorgung) Auswirkungen einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung leisten. Egal ob in urbanen Räumen (z.B. Stärkung der Nachbarschaft) oder ländlichen Regionen (z.B. zusätzliches Freizeitangebot) bieten gemeinschaftlich orientierte Gartenprojekte zahlreiche Vorteile für Einzelpersonen und Gemeinschaften. Teil 2 zum Thema „Gemeinschaftsgärten“ beleuchtet nächste Woche die Entwicklungspotentiale für urbane Räume näher.

Die Saison startet – auf in die Gärten!

Derzeit laufen bei vielen Gärtnerinnen und Gärtnern die Vorbereitungen und Planungen für die bevorstehende Gartensaison. Für die einen steht dabei die Weiterentwicklung ihrer bereits begonnen Aktivitäten im Vordergrund. Die anderen spielen mit dem Gedanken, sich erstmalig in Gemeinschaftsgärten zu engagieren. Egal ob Wien, Graz, Linz oder anderen österreichische Städte – es ist davon auszugehen, dass die Zahl der Gemeinschaftsgärten in den kommenden Jahren weiter zunehmen wird.

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